https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/heftige-kritik-an-aethiopien-nach-ausweisung-von-un-personal-17573205.html

Inmitten einer Hungersnot : Heftige Kritik an Äthiopien nach Ausweisung von UN-Personal

  • Aktualisiert am

In der Region Afar im Nordosten von Äthiopien verteilt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen Säcke mit Lebensmitteln. Bild: dpa

400.000 Menschen in Äthiopien stehen vor dem Hungertod, immer mehr sterben. Doch lebensrettende Hilfe wird von der Regierung blockiert, Helfer werden ausgewiesen. UN-Generalsekretär Guterres reagierte darauf jetzt ungewohnt scharf.

          2 Min.

          Angesichts der schweren Hungersnot und politischen Krise in Äthiopien hat UN-Generalsekretär António Guterres seinen Ton gegenüber Ministerpräsident Abiy Ahmed deutlich verschärft. „Unsere Kollegen vor Ort geben uns immer alarmierendere Augenzeugenberichte über das Leiden – einschließlich immer mehr Berichten über hungerbedingte Todesfälle“, sagte Guterres am Mittwoch bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates in New York. Die Krise habe sich verschlimmert. Der Zugang für humanitäre Hilfe vor allem zur Krisenregion Tigray sei „stark eingeschränkt“, müsse aber „ohne Behinderung“ sichergestellt werden.

          Die Regierung von Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed hatte im November 2020 eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin in der gleichnamigen Region im Norden Äthiopiens an der Macht war. Hintergrund waren jahrelange Spannungen zwischen der TPLF und der Regierung in Addis Abeba. Inzwischen sind weitere Akteure beteiligt, darunter eritreische Truppen und Milizen.

          „Die Ehre der Vereinten Nationen verteidigen“

          Zu einer abermaligen Eskalation und Ärger bei UN-Chef Guterres führte vergangene Woche die beispiellose Ausweisung von sieben Mitarbeitern der Vereinten Nationen. Das Außenministerium in Addis Abbeba warf ihnen Parteilichkeit vor. „Wir sind der Auffassung, dass Äthiopien gegen das Völkerrecht verstößt“, sagte Guterres in einer seltenen, frei vorgetragenen Reaktion zum anwesenden UN-Botschafter Äthiopiens. Er verlangte Schriftstücke zu den konkreten Vorwürfen gegen seine Mitarbeiter. Zu Journalisten sagte Guterres nach der angespannten Sitzung: „Ich muss die Ehre der Vereinten Nationen verteidigen.“

          Wegen des Konflikts sind Guterres zufolge gegenwärtig bis zu sieben Millionen Menschen in den Regionen Tigray, Amhara und Afar dringend auf Hilfslieferungen angewiesen. „Dazu gehören mehr als fünf Millionen Menschen in Tigray, wo schätzungsweise 400.000 Menschen unter hungerähnlichen Bedingungen leben.“ Die TPLF beschuldigt die Regierung des Völkermords, während Abiy Ahmed der Organisation vorwirft, einen ethnisch motivierten Konflikt angezettelt zu haben. Zudem sprach Guterres von „zutiefst besorgniserregenden Berichten“ über sexuelle Gewalt und andere Verbrechen an Frauen und Kindern.

          „Es gibt keine Rechtfertigung, überhaupt keine“

          Vorherigen UN-Angaben zufolge handelt es sich bei der Situation in Äthiopien um die schwerste Hungerkrise seit einem Jahrzehnt. Guterres zog am Mittwoch einen Vergleich mit der Hungersnot in Somalia 2011.

          Auch die UN-Botschafterin der USA, Linda Thomas-Greenfield, wählte am Mittwoch deutliche Worte: „Es gibt keine Rechtfertigung für die Maßnahmen der Regierung Äthiopiens, überhaupt keine.“ Die Ausweisung der UN-Mitarbeiter sei rücksichtslos gewesen, das Vorgehen solle einschüchtern. Wenn die äthiopische Regierung ihren Kurs nicht ändere, müsse der UN-Sicherheitsrat Maßnahmen gegen das Land ergreifen.

          Weitere Themen

          Russische Truppen verschanzen sich

          Lage des Krieges : Russische Truppen verschanzen sich

          Die russische Armee errichtet Verteidigungsanlagen auf der östlichen Seite des Dnipros. Die Befreiung der Krim bleibt ukrainisches Kriegsziel. Der Verlauf des Krieges in Karten und Grafiken.

          Selenskyj fordert abermals Sondertribunal für Russland

          Ukraine-Liveblog : Selenskyj fordert abermals Sondertribunal für Russland

          Scholz sichert Selenskyj weitere kurzfristige Hilfe zu +++ Ringtausch: Slowakei übergibt 30 Schützenpanzer an die Ukraine +++ London: Russland ändert seine Militärtaktik +++ G7 koordinieren Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Blick auf Rottach-Egern am Tegernsee

          Leben am Tegernsee : Nationalpark für Großkopferte

          Nach einer Razzia bei einem russischen Oligarchen ist das bayerische Postkartenidyll am Tegernsee wieder in die Schlagzeilen geraten. Dabei mag man das dort gar nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.