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Missbrauchsskandal in Lyon : Die Stimmung ist umgeschlagen

Einst Leitfigur: Kardinal Philippe Barbarin Bild: AFP

Nach den Missbrauchsskandalen und der Verurteilung des Kardinals Philippe Barbarin in Frankreich wendet sich das Volk von der katholischen Kirche ab.

          4 Min.

          Als einen der wichtigsten Momente in seinem Leben hat Kardinal Barbarin sein Gespräch mit dem Papst an diesem Montag im Vatikan angekündigt. Franziskus muss darüber entscheiden, ob er das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs von Lyon und Primas Galliens annimmt. Der 68 Jahre alte Philippe Christian Ignace Barbarin war am 7. März zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden, weil er sexuelle Missbrauchsfälle nicht angezeigt hatte. In weiten Teilen Frankreichs wird der schillernde Kardinal inzwischen als Symbol für eine Kirche gesehen, die sich jahrzehntelang aus ihrer Verantwortung für Missbrauchsopfer gestohlen habe. „Wir hassen den Kardinal so sehr, wie wir ihn zuvor geliebt haben“, schrieb der Religionswissenschaftler Henri Tinq in einem Aufsatz.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Lange galt der sportliche, in den Medien omnipräsente Kirchenmann als Frankreichs Hoffnung auf den Heiligen Stuhl. Doch der Skandal um den Priester Bernard Preynat, der in den siebziger Jahren in der Erzdiözese Lyon bis zu 70 Kinder der Pfadfinderbewegung missbraucht haben soll, könnte ihn jetzt seine kirchlichen Ämter kosten. Sein Ansehen ist ohnehin schon beschädigt. Barbarin hatte vor Gericht stets seine Unschuld beteuert und den Verdacht zurückgewiesen, er habe vor den Vorfällen die Augen verschlossen. Sein Anwalt will ein Berufungsverfahren anstrengen.

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