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Exhumierung Francisco Francos : Was wird aus dem „Tal der Gefallenen“?

Wer liegt hier und warum? Das Mausoleum im „Tal der Gefallenen“ Bild: Reuters

General Franco regierte sein Land fast vierzig Jahre mit eiserner Faust. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod sind die tiefen Wunden in Spaniens Gesellschaft nicht ganz verheilt. Ein riesiges Mausoleum steht sinnbildlich dafür.

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          Alles ist generalstabsmäßig geplant. Pünktlich um 10.30 Uhr wird an diesem Donnerstag die eineinhalb Tonnen schwere Grabplatte zur Seite geschoben: Fast 44 Jahre nach seiner Beisetzung werden kurz darauf die sterblichen Überreste von Francisco Franco das „Valle de los Caídos“ verlassen. Seit dem erfolgreichen Misstrauensvotum im Juni 2018 hat die sozialistische Minderheitsregierung in Madrid darum gekämpft, dass der Leichnam des spanischen Diktators im Mausoleum der Familie auf dem Friedhof in El Pardo-Mingorrubio seine letzte Ruhestätte findet. Aber schon für den Tag nach der Umbettung Francos gibt es keinen Plan für das „Tal der Gefallenen“, dessen Bau Franco selbst vorangetrieben hatte. Soll nun auch José Antonio Primo de Rivera sein Ehrengrab verlieren, fragt man sich. Der von den Republikanern erschossene Gründer der faschistischen Falange ist bisher unweit Francos unter der hohen Kuppel vor dem Hauptaltar beigesetzt.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Vor achtzig Jahren ging der Spanische Bürgerkrieg zu Ende. Aber bis heute gibt es keine zentrale Stätte, an der die Spanier gemeinsam der Opfer gedenken können. Die amtierende Regierung unter Pedro Sánchez verwendete ihre gesamte politische Energie für den Rechtsstreit mit Francos Familie und der Benediktinerabtei, die für die Basilika im Tal der Gefallenen zuständig ist. Ein Konzept für die Zukunft des tief in den Berg getriebenen Baus, über dem ein 150 Meter hohes Betonkreuz ragt, hat niemand vorgelegt. Und die Chancen, dass sich die Parteien bald darauf einigen, wie das Land an seine schwierige Vergangenheit erinnern will, stehen schlecht: Spanien ist im Dauerwahlkampf. Am 10. November finden die zweiten Parlamentswahlen in diesem Jahr statt. Die rechte Opposition wirft den Sozialisten vor, sie reiße die alten Wunden des Bürgerkriegs wieder auf und nutze die Umbettung des Diktators zynisch dafür, ihren Wählern wenigstens einen Erfolg präsentieren zu können. Weder die konservative Volkspartei (PP) noch die rechtsliberale Ciudadanos-Partei haben eigene Vorschläge vorgelegt. Sie rufen dazu auf, nicht zurückzublicken, sondern nach vorne zu schauen. In der Abstimmung, als das Parlament im vergangenen Herbst über Francos Exhumierung entschied, duckten sich beide Parteien weg und enthielten sich der Stimme.

          Dabei ist der spanische Staat für den Kolossalbau verantwortlich, den er jedes Jahr mit gut zwei Millionen Euro aus Steuermitteln unterhält. Der Souvenirshop des „Patrimonio Nacional“, der staatlichen Behörde, die neben den königlichen Palästen und Klöstern auch für das „Tal der Gefallenen“ zuständig ist, erweckte bisher den Eindruck, als gäbe es keinen großen Unterschied zur Grablege der spanischen Könige im benachbarten El Escorial. Offizielle Reiseführer erwähnen nur in einem Nebensatz, dass ihn Tausende „Kriegsgefangene“ nach Plänen des „Staatschefs“ errichteten, wodurch sie ihre Freiheitsstrafe verringern konnten. Nichts erinnert an die vielen tausend spanischen Regimegegner, die für Franco als Monument für seinen Sieg über die Republikaner die 30 000 Quadratmeter große Basilika einen Viertelkilometer tief in den Berg trieben.

          Keine Idee für eine „Gedenkstätte für alle“

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