https://www.faz.net/-gq5-84ryl

Griechische Schuldenkrise : Unser Problem? Euer Problem!

Kokette Unprofessionalität oder eiskaltes Spiel auf Risiko? Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras in Athen Bild: Reuters

Die griechische Regierung sucht den Wunsch ihrer europäischen Partner auszunutzen, die Währungsunion zusammenzuhalten und es nicht auf einen „Grexit“ ankommen zu lassen. Das ist traurig und dreist.

          Ist das jetzt die Woche der Wochen, an deren Ende das währungs- und europapolitische Schicksal Griechenlands besiegelt sein wird, so oder so? So hat es den Anschein nach der Einberufung des Krisengipfels der Eurozone für diesen Montag, nach neuen Nothilfen der EZB für griechische Banken und angesichts vieler Kommentare, die das Land kurz vor dem Staatsbankrott und mit einem Bein im Abgrund sehen. Dabei haben selbst maßgebliche Akteure die Erwartungen zu dämpfen versucht: Wo es keine Entscheidungsgrundlage gebe, gebe es auch nichts zu entscheiden.

          So war es schon während der vergangenen Monate, was vor allem an der Haltung und Verhandlungstaktik der Regierung Tsipras lag. Bei der weiß man wirklich nicht, was überwiegt: kokette Unprofessionalität, als „Prinzipientreue“ verklärte ideologische Verbohrtheit oder eiskaltes Spiel auf Risiko. Ja, die große Mehrheit der Griechen will in der Währungsunion bleiben; auch die Athener Koalition aus Linksradikalen und Nationalisten beteuert, dass dies ihr Ziel sei. Natürlich wollen die sich nicht „demütigen“ lassen von den Gläubigern, vom IWF und von den Ländern der Eurozone. Aber es geht nicht um Demütigung oder um die Vernichtung von Chancen eines Volkes. Genau das Gegenteil muss passieren: Griechenland soll auf einen Weg gebracht werden, der eine gedeihliche Zukunft verspricht. Auf dem Weg schien es schon zu sein – bis Tsipras & Co kamen, Hilfe fordernd, Auflagen ablehnend. Deren Motto: Unser Problem? Euer Problem!

          Es ist traurig und dreist, dass Athen den Wunsch seiner Partner auszunutzen sucht, die Währungsunion zusammenzuhalten und es nicht auf einen „Grexit“ ankommen zu lassen. Traurig und dreist ist es, dass Griechenlands Versagen als Staat und als Wirtschaft den Partnern um den Hals gehängt oder gleich ganz in Berlin abgeladen wird. Aber so kann man es machen; die machtpolitischen Realitäten in Europa laden geradezu ein, um sich der eigenen Verantwortung zu entledigen. So dürften Eurozone und EU eigentlich nicht funktionieren; die Zertrümmerung von Vertrauen war auch nicht vorgesehen. Verantwortung für Europa tragen alle, manche schultern eine größere Last. Bedauerlich, dass die Regierung Tsipras nicht Teil dieser Verantwortungsgemeinschaft sein will, sondern nur Hohn für sie übrig hat.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          AfD will Wehrwillen stärken

          Papier zur Sicherheitspolitik : AfD will Wehrwillen stärken

          In einem Strategiepapier zur Verteidigungspolitik fordert die AfD die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Außerdem solle die Bundeswehr auch im Inneren eingesetzt werden. Die Partei bekennt sich zu außerdem zur Nato.

          Tausende protestieren in Hongkong Video-Seite öffnen

          Gegen Abschiebungsgesetz : Tausende protestieren in Hongkong

          In Hong Kong protestierten Tausende vor ausländischen Botschaften. Sie hoffen, dass sich ausländische Regierungen auf dem G20 Gipfel gegen das geplante Auslieferungsgesetz aussprechen.

          Startschuss für Wahlkampf der Demokraten Video-Seite öffnen

          Trump findet es „langweilig“ : Startschuss für Wahlkampf der Demokraten

          Die erste Hälfte des Teilnehmerfelds für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten hat den Stratschuss für die TV-Debatten gegeben. Aufgrund des großen Anzahl an Kandidaten, muss die Gruppe aufgeteilt werden US-Präsident Trump kommentierte die Debatte auf Twitter.

          Topmeldungen

          Müssen sie bald zum Hautarzt? Bauarbeiter in einer S-Bahn Baustelle in Frankfurt

          Arbeitnehmerschutz : Baustopp droht wegen zu viel Sonne

          Bis zu 2,4 Millionen Beschäftigte, die im Freien arbeiten, müssen womöglich kurzfristig zur Vorsorge zum Hautarzt. Das hätte ernste Folgen fürs Handwerk und den Baubetrieb.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.