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Trotz „Gotteslästerung“ : EKD-Ratsvorsitzende will Kontakt nach Moskau nicht abbrechen

EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus Ende Februar bei einer Demonstration gegen den russischen Überfall auf die Ukraine in Berlin Bild: Imago

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus wirft dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill „Gotteslästerung“ vor. Sie warnt aber auch vor einer „geschichtstheologischen Überhöhung“ der Verteidigung der Ukraine.

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          Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus hat vor einer weltanschaulichen Überhöhung des Kriegs in der Ukraine gewarnt. Wenn der Moskauer Patriarch Kyrill den russischen Angriffskrieg unterstütze und dabei Gott „vor den eigenen Karren“ spanne, sei das „Gotteslästerung“. Man dürfe die Verteidigung der Ukraine allerdings ebenfalls nicht „als Verteidigung westlicher Werte“ idealisieren, sagte die EKD-Ratsvorsitzende. „Auch hier wittere ich eine geschichtstheologische Überhöhung“.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Die Beziehungen der EKD zur russisch-orthodoxen Kirche will Kurschus nicht abbrechen, obwohl es innerhalb der evangelischen Kirchen entsprechende Forderungen gibt. Die EKD-Ratsvorsitzende sagte, mit ihrer Kritik an dem Putin-nahen Patriarchen Kyrill verurteile sie nicht die gesamte russische Orthodoxie, die „in sich sehr vielstimmig“ sei. „Wir dürfen und werden die ökumenischen Brücken zu ihr nicht abbrechen“, stellte Kurschus klar.

          Steinmeier: „Kirchen sollten aufhören, zu viel zum sich selbst zu kreisen“

          Die im vergangenen November ins Amt gewählte EKD-Ratsvorsitzende äußerte sich am Mittwochabend beim Johannisempfang der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), auf dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach. Steinmeier sagte, die Lage sei insgesamt „nicht einfacher geworden für die Kirchen“. Der anhaltende Mitgliederverlust sei auch nicht allein auf Fehler im Umgang mit sexualisierter Gewalt zurückzuführen, sagte Steinmeier. Steinmeier rief die Christen dennoch zu Zuversicht und Engagement auf. „Die Kirchen sollten aufhören, aus Angst vor Bedeutungsverlust zu viel um sich selbst zu kreisen“, riet Steinmeier. Die Stärke der Religion liege gerade dort, wo es keine einfachen Antworten, keine klare Orientierung gebe.

          Steinmeier riet den Kirchen zudem, vor allem auf eine „praktische Ausrichtung“ ihrer Arbeit zu achten. „Im Blick sein müssen die Armen und die Schwachen“ in ihren ganz unterschiedlichen Nöten. Steinmeier fügte hinzu, mit diesen Ratschlägen habe er „weitgehend als evangelischer Christ gesprochen“, sich dabei aber als Bundespräsident zustimmend zugehört.

          Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus sprach in ihrer Rede über eine zunehmende Abstumpfung angesichts der täglichen Nachrichten aus dem Kriegsgebiet und warnte vor einer „fatalistischen Abgefundenheit“. „Wir sind der immer neuen Krisen überdrüssig“, sagte Kurschus. Erst Corona, dann Krieg in der Ukraine und dazu noch die erforderliche ökologische Transformation seien zusammengenommen eine „einzige Überforderung“ für die Menschen und die Gesellschaft.

          Der christliche Glaube könne dabei helfen, mit der „Unverfügbarkeit“ des eigenen Daseins umzugehen, sagte Kurschus. Mit Blick auf die geplanten Investitionen in die Bundeswehr warnte Kurschus davor, „alles in die Aufrüstung zu stecken“ und stattdessen beim Klimaschutz, der Entwicklungshilfe und der Sozialpolitik zu sparen.

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