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Black Hawk statt Taipan : Australien stampft noch ein europäisches Rüstungsprojekt ein

Ein Black Hawk landet am 10. Dezember in Sydney Bild: AP

Drei Monate nach der Beendigung eines U-Boot-Projekts mit Frankreich kündigt Canberra an, europäische Hubschrauber vorzeitig ausmustern und durch amerikanische ersetzen zu wollen.

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          Nachdem Australien schon das U-Boot-Geschäft mit Frankreich aufgekündigt hatte, wird das Land nun auch Dutzende Militärhubschrauber europäischer Herstellung vorzeitig ausmustern. An ihrer Stelle werde die Regierung in Canberra bis zu 40 amerikanische Black-Hawk-Helikopter anschaffen, wie der australische Verteidigungsminister Peter Dutton am Freitag mitteilte. Der Minister begründete den Schritt, die von einer Airbus-Tochter entwickelten Hubschrauber des Typs MRH-90 Taipan anstatt wie geplant erst im Jahr 2037 sofort abzuschaffen, unter anderem mit einer „wachsenden Bedrohung“ durch China im Indopazifik. „Australien kann nicht seinen Kopf in den Sand stecken und so tun, als gebe es keinen Anlass zu Bedenken im Indopazifik“, sagte Dutton. Es gebe mittlerweile viele Länder, die über die Aufrüstung Chinas besorgt seien. Angesichts dieser Lage müsse sichergestellt werden, dass den australischen Streitkräften die beste Ausrüstung zur Verfügung stehe.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Entscheidung folgt nur drei Monate, nachdem die Regierung in Canberra ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft mit dem französischen Hersteller Naval aufgekündigt hatte. Stattdessen verkündete sie einen neuen Sicherheitspakt mit den USA und Großbritannien (AUKUS), durch den Australien Zugang zu atombetriebenen U-Booten mit größerer Reichweite bekommt. Das geplatzte Rüstungsgeschäft hatte Verstimmungen mit Frankreich ausgelöst.

          Paris wartet auf eine große Geste

          Zu einer solchen Reaktion in Europa dürfte es diesmal weniger Anlass geben. Dennoch wurde hinterfragt, ob der Zeitpunkt zur Verkündung der Entscheidung gut ausgewählt ist. Die Regierung in Paris hatte klare Zeichen gegeben, dass sie auf eine große Geste zur Wiederherstellung des angeschlagenen Verhältnisses wartet. Die Entscheidung wird zudem als Bestätigung gewertet, dass Canberra einer engeren militärischen Anbindung an die USA anderen Partnerschaften gegenüber den Vorzug gibt.

          Er rechne aber nicht damit, dass die jüngste Entscheidung wieder zu europäischen Irritationen führen werde, sagte Dutton. Der Minister bezeichnete die Hubschrauber als „unzuverlässig“. Es habe schon seit Jahren Bedenken über die Einsatzfähigkeit der Hubschrauber gegeben, die sich als unlösbar herausgestellt hätten. „Sie haben nicht gehalten, was erwartet worden war.“ Die australische Marine und Armee besitzen 46 der Hubschrauber, die größtenteils von dem australischen Eurocopter-Tochterunternehmen Australian Aerospace Limited lokal produziert worden waren. Berichten zufolge hatten sie in den Jahren 2019 bis 2020 nur 55 Prozent ihrer geplanten Flugstunden absolviert. Es habe diverse Momente gegeben, in denen die Hubschrauber wochenlang nicht einsatzfähig gewesen seien.

          Canberra hofft, sogar Kosten einzusparen, da die Black Hawks auf Dauer günstiger seien. Die Kosten für die Black Hawks würden sich nach einem Medienbericht auf sieben Milliarden Dollar beziffern und ebenfalls bis 2037 im Einsatz bleiben. Im selben Zeitraum sollten die Taipan-Hubschrauber laufende Kosten von 9,5 Milliarden Dollar aufwerfen. Ein Oppositionsführer kritisierte die Regierung dafür, dass ein Rüstungsprojekt nach dem anderen auf diese Weise scheitere. Andere begrüßten die Bemühungen, teure Projekte einzustellen, die nicht den gewünschten Nutzen erzielten. Ein Rüstungsexperte äußerte die Vermutung, dass im Verteidigungshaushalt durch den aufgekündigten U-Boot-Deal kurzfristig Geld freigeworden sei, das nun verwendet werden müsse.

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