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Tea Party : In die Herzen der Hardliner

  • -Aktualisiert am

Da johlt der Saal: Ted Cruz in Washington Bild: AFP

Die Tea Party will in Amerika nun eigene Vorstellungen voranbringen – auf ihren robusten Aktivismus aber nicht verzichten. Dem texanischen Senator Ted Cruz fliegen die konservativen Herzen zu.

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          Für Ted Cruz musste der „Konservative Politik-Gipfel“ kurzfristig umgeplant werden. Der texanische Juniorsenator hatte es nicht pünktlich in den holzgetäfelten Hörsaal der Washingtoner Heritage Foundation geschafft. Sobald der Republikaner aber eintrifft, müssen seine beiden Kollegen aus dem Repräsentantenhaus ihre Bemühungen abbrechen, einen Gegenentwurf zu Obamas Gesundheitsreform zu skizzieren. Stehend applaudieren die konservativen Anzugträger im plötzlich vollen Saal, als der Tea-Party-Herold zum Podium spurtet.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Er könnte ihnen nun mit weiteren Hieben auf Obamacare einheizen. Immerhin hatte sich der Kongressneuling durch seinen Kampf gegen das Vorzeigevorhaben des Präsidenten in die Herzen der Hardliner filibustert: Mehr als 21 Stunden lang wetterte er im September am Rednerpult des Senats gegen die Reform. Doch als Cruz zu seinem Vortrag anhebt, lässt er sich zu keinem einschlägigen Spruch hinreißen. Lieber redet er über das Wetter. „Hatte Al Gore nicht gesagt“, fragt Cruz mit dick aufgetragener Entgeisterung, „dass es solche Kälte gar nicht mehr geben werde?“ Das Publikum kichert wohlig. „Es ist in Washington so kalt“, fährt der Texaner fort, „dass ich sogar einen Demokraten gesehen habe, der seine Hände einmal in die eigenen Taschen steckte.“ Da johlt der Saal.

          Cruz umreißt nun einen „American Energy Renaissance Act“, den er bald einbringen wolle, um den Fracking-Boom vor bundesstaatlicher Regulierung zu schützen. Er ist der perfekte Gast für die Organisatoren von Heritage Action, dem jugendlich-kernigen politischen Arm der alteingesessenen Forschungseinrichtung in Gehweite des Kapitols. Denn wie der Senator bemüht sich auch die Gruppe, ihren Ruf als Neinsager abzuschütteln. Heritage Action zählt zu einer Handvoll solide finanzierter Organisationen, welche die Tea-Party-Basis in ihrem Dogmatismus bestärken und im Kongress für konservative Gesetze werben. „Wir informieren die Basis und geben ihr eine Stimme in Washington“, sagt der Chef Michal Needham. Doch John Boehner, der zumindest seinem Amt nach mächtigste Republikaner, hat über Heritage Action, Freedomworks und ähnliche Gruppen kürzlich den Stab gebrochen. Sie hätten „alle Glaubwürdigkeit verloren“, resümierte der „Speaker of the House“ am Ende des vorigen Jahres. Im Herbst hatte sich Boehner von rechten Abgeordneten seiner Fraktion, denen der Senator Cruz vom Senat aus einheizte, in eine Konfrontation mit den Demokraten schubsen lassen, die in den wochenlangen Verwaltungsstillstand mündete – und Obama einen Punktsieg verschaffte.

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