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Alibaba : Der größte Börsengang aller Zeiten

Größer und erfolgreicher als Amazon – die Investoren können den Börsengang von Alibaba gar nicht erwarten Bild: AFP

Der chinesische Internethändler Alibaba startet in der nächsten Woche an der Wall Street. Es soll der größte Börsengang aller Zeiten werden. Die Anleger sind jetzt schon ganz kirre.

          Einen solchen Menschenauflauf dürfte selbst das altehrwürdige Waldorf Astoria in den mehr als 120 Jahren seiner Geschichte nur selten erlebt haben: Am vergangenen Montag drängten sich Männer in Anzug und Schlips vor dem New Yorker Hotel – die Schlange war lang, die Wartenden gespannt. Doch es war weder ein Hollywood-Star, der sie drinnen begrüßen sollte, noch ein Popsänger: Nein, es war einfach nur Jack Ma – ein 50-jähriger Chinese mit jugendlichem Gesicht und kurzem Haar. Niemand, dessen Anblick in den Straßen von New York sonderlich auffallen würde. Und doch ist Ma in seiner Heimat ein Star, für viele Chinesen gar ein Nationalheld.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn Jack Ma ist Gründer des Internethandelskonzerns Alibaba, des wohl erfolgreichsten chinesischen Unternehmens der vergangenen Jahre, und er hat Großes vor in diesen Tagen: Ma will Alibaba nicht nur einfach in New York an die Börse bringen. Sondern es soll auch gleich der größte Börsengang aller Zeiten werden – mit einem Volumen von voraussichtlich mehr als 24 Milliarden Dollar. Größer als Facebook. Und erst recht größer als Amazon, Alibabas amerikanischer Konkurrent.

          Schon am kommenden Freitag soll es so weit sein. Bei einem Vorhaben dieser Dimension ist klar, dass jeder Wall-Street-Banker sich ein Bild von diesem ehrgeizigen Chinesen und seiner Firma machen will. Dass Investoren Schlange stehen, um Ma zu sehen. Und klar ist auch, dass es für einen solch gewaltigen Börsengang eine Art Drehbuch geben muss, einen minutiösen Plan, um Alibabas Erstnotiz so unvergesslich zu machen, wie sich der Gründer des Konzerns dies wünscht.

          Roadshow in New York: Inszenierung eines Börsengangs

          In der Sprache der Banker gehört zu diesem Plan vor allem eine überzeugende „Roadshow“, bei der sich Alibaba potentiellen Anlegern präsentiert. Verantwortlich dafür sind in diesem Fall Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley und Citi. Sie alle gemeinsam, die führenden Investmentbanken der Welt, sollen sicherstellen, dass Jack Ma am Ende zufrieden ist.

          So kamen in der vergangenen Woche immer wieder Analysten, Investoren und die Alibaba-Führungsmannschaft zusammen. Für die Investoren geht es dabei letztlich nur um eine Frage: Lohnt es sich, die Alibaba-Aktie zu kaufen? Sie verlangen nach so vielen Informationen wie möglich, was verständlich ist: Schließlich ist der Konzern in der westlichen Welt noch gar nicht lange bekannt.

          Das Alibaba-Management dagegen hat ein anderes Interesse: Es will die Investoren in Kauflaune versetzen, möglichst gute Stimmung verbreiten. Denn eine Roadshow ist immer auch eine Inszenierung. Manch harter Fakt zum Unternehmen kann dabei aus Sicht des Managements nur hinderlich sein.

          Bei der Präsentation gibt es Truthahn-Sandwiches

          Darum gerade war es so außerordentlich geschickt, wie Alibaba den Auftakt am vergangenen Montag im Waldorf Astoria gestaltete. Im Vorfeld hatten viele der potentiellen Investoren (Vertreter großer Pensionsfonds, Banken und Versicherungen) nämlich vor allem zwei Kritikpunkte vorgetragen. Zum einen fehle es Alibaba an der nötigen Transparenz – das Geflecht der zahlreichen Tochtergesellschaften, zu denen beispielsweise die Online-Marktplätze Taobao und Tmall gehören, sei für Außenstehende nicht zu durchblicken.

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