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Mitt Romney : Der Kandidat der Wall Street

Mitt Romney Bild: REUTERS

Mitt Romney will amerikanischer Präsident werden. Sein Vermögen hat er mit Private Equity gemacht. Das könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden.

          Was ist der angemessene Einsatz für eine Wette unter echten Männern in Amerika? 10 Dollar sind Kinderkram. 100 Dollar? Da wird es schon ernster für Normalverdiener. 1000 Dollar? Das brächte die monatliche Hypothekenrate in Gefahr. Für Mitt Romney, der gern Präsident der Vereinigten Staaten würde, sind auch 1000 Dollar kein richtiger Einsatz. Als er sich in einer Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit Rick Perry, dem Gouverneur von Texas, streitet, streckt er ihm spontan die Hand entgegen. "Rick, pass auf, 10.000 Dollar, eine 10.000-Dollar-Wette?", fordert er ihn heraus. Perry schlägt nicht ein. "Ich bin nicht im Wettgeschäft", lächelt er zurück.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Dieser Moment könnte den Wahlkampf von Romney und sein Image definieren. Sein Wettangebot, das einschlägige Kabelsender ständig zeigen, sorgt für Irritationen. Ein reicher Mann wie Romney, der in der Finanzbranche ein Vermögen gemacht hat, kann 10 000 Dollar verschmerzen. Doch in Iowa, wo sich die Bewerber um den republikanischen Kandidatenposten am 3. Januar zur Vorwahl stellen, dürfte es einem Farmer kaum einfallen, solche Beträge leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

          Der erste Fauxpas

          Die Wette war Romneys erster größerer Fauxpas in diesem von wirtschaftlichen Themen dominierten Wahlkampf. Die Occupy-Wall-Street-Bewegung, die angesichts grassierender Arbeitslosigkeit und schleppenden Wirtschaftswachstums die Macht von Banken und Konzernen anprangerte, konnte Romney noch als "Klassenkampf" abtun. Doch seine Wette könnte ihn zum leichten Ziel neuerProteste machen. Fraglos gehört er zu dem reichsten Prozent der Amerikaner, das die Aktivisten ("Wir sind die 99 Prozent") im Visier haben. Sein auf bis zu 250 Millionen Dollar geschätztes Vermögen hat er als Unternehmensberater und Mitbegründer der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital gemacht, bevor er als Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts in die Politik ging. Romneys Vermögen und seine Wall-Street-Karriere waren bislang kein großes Thema im Wahlkampf. Doch sollte der Mann, der sich in Umfragen konstant in der Spitzengruppe der Kandidaten hält, die Vorwahlen gewinnen und im November gegen Präsident Barack Obama antreten, macht sich die Beteiligungsbranche auf einen massiven Angriff gefasst.

          Beteiligungsgesellschaften, die kriselnde Unternehmen kaufen, um sie zu sanieren und sie mit Gewinn weiterzuverkaufen oder an die Börse zu bringen, geraten in Amerika regelmäßig unter Beschuss. Es ist die gleiche Kritik, die in Deutschland mit dem Begriff "Heuschrecke" verbunden ist. Romney und seine Kollegen sehen sich natürlich nicht als Plage. Sie verstehen sich als Retter, die Unternehmen nicht abgrasen und dann weiterziehen, sondern sie auf Wachstumskurs bringen. "Manchmal ist die Medizin bitter, aber sie ist nötig, um das Leben des Patienten zu retten", sagt Romney dazu.

          Die Inkarnation von Gordon Gekko

          Doch die ersten Kritiker haben sich schon auf ihn eingeschossen. Es gibt ein Foto aus den achtziger Jahren, auf dem ein junger Romney mit sechs Kollegen von Bain Capital mit 20-Dollarnoten posiert. Einige Kollegen haben die Geldscheine im Mund, andere stopfen sie sich in den Kragen. Das Foto steht auf der Satire-Internetseite romneygekko.com, die den Kandidaten in eine Ecke mit dem Börsenhai Gordon Gekko aus dem Film "Wall Street" stellt. Sogar Newt Gingrich, sein Parteifreund und Mitbewerber um die Kandidatur, schlug jüngst vor, Romney sollte das ganze Geld zurückgeben, das er mit dem "Zugrunderichten" von Unternehmen verdient habe.

          Der Kandidat - ein Finanzhai? Romney (Mitte) in den 80er Jahren mit Kollegen von Bain Capital und vielen Dollarnoten
          Der Kandidat - ein Finanzhai? Romney (Mitte) in den 80er Jahren mit Kollegen von Bain Capital und vielen Dollarnoten : Bild: Bain Capital

          Dabei eignet sich Romney nicht als Inkarnation von Gordon Gekko. Er ist keine schillernde Gestalt, sondern muss eher gegen einen Ruf als Langweiler ankämpfen. Er ist Mormone, seit 1969 mit der gleichen Frau verheiratet und hat fünf Söhne. Von verschwenderischem Lebenswandel keine Spur. Wie von der Mormonenkirche verlangt, trinkt Romney nicht einmal Alkohol. Seine Religion macht ihn zwar für christliche Fundamentalisten suspekt. Aber sie garantiert einen grundsoliden Lebenswandel. Romney spendet Millionen an die Kirche, wird aber privat als Pfennigfuchser beschrieben, der gerne die Billigfluglinie Jet Blue nimmt und jede Prahlerei verabscheut. Nur der Besitz mehrerer Häuser, darunter eines in Südkalifornien am Meer, könnte als Exzess durchgehen.

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