http://www.faz.net/-gpf-7iajc

Franz-Peter Tebartz-van Elst : Empörung im Vatikan über Limburger Bischof

Bild: F.A.Z.; Foto: Spiegel TV

Das Verhalten des Bischofs von Limburg, Tebartz-van Elst, sorgt im Vatikan für Unruhe. Auch dort werden Rücktrittsforderungen laut. Doch namentlich will sich damit niemand zitieren lassen.

          Im Vatikan wird jetzt auch über den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, gesprochen, der nicht nur die zunächst geplanten zwei oder die dann genannten 5,5 Millionen, auch nicht „nur“ 9,85 Millionen Euro für seinen Bischofssitz sondern offenbar mindestens 31 Millionen Euro aus unbekannten Quellen sprudeln ließ. Ob Kardinal oder Prälat, alle Gesprächspartner an der Kurie sind sich darin einig, dass der Rücktritt des Bischofs nur noch eine Frage der Zeit sei; doch niemand von ihnen will sich mit dieser Aussage namentlich zitieren lassen.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Der Bischof sollte rasch zurücktreten, raten die deutschen Gesprächspartner an der Kurie. Es wäre falsch, auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hamburg zu warten, die gegen ihn womöglich Anklage wegen Falschaussage im Zusammenhang mit einem Flug in der ersten Klasse nach Indien erheben wird. Oder auf das Urteil vom Papst. Franziskus wisse womöglich noch nichts von der neuen Limburger Wendung, heißt es. Aber der „Heilige Vater“, der seine Kirche unter dem Motto leite, die Priester müssten arm sein und riechen wie ihre Schafe, und der sich mit einem Blechkreuz auf der Brust begnügt, sei gewiss für den Rücktritt; denn es gebe genügend Gründe, die nun eine Fortsetzung des Amtes unmöglich machten. Das letzte Vertrauen sei hin, das Kirchenrecht wahrscheinlich gebrochen worden. Es gebe schon Beispiele in der Weltkirche wie in Slowenien, wo Diözesanbischöfe wegen zu hoher Ausgaben zurücktreten mussten, heißt es in Rom.

          Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst
          Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst : Bild: dpa

          Mutmaßlich habe der Anfang September nach Limburg entsandte Giovanni Kardinal Lajolo noch nicht die gesamte Wahrheit erfahren, sagen die Gesprächspartner. Sonst hätte der Kardinal den Limburger Bischof nicht nur auf die – freilich auch schon außerordentliche – Erklärung festgelegt, er wolle künftig das Recht der Kirche achten und das Finanzgebaren im Zusammenhang mit der Errichtung des Diözesanen Zentrums von einer unabhängigen Institution untersuchen lassen. Die deutschen Priester am Vatikan warten nun nicht nur ungeduldig auf eine Reaktion des Bischofs; sie hoffen auch auf eine unzweideutige Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, die nach den Worten vieler an der Kurie zu lange kollegial geschwiegen habe.

          Die Residenz mitsamt angebauter Kapelle in der Außenansicht. Bilderstrecke
          Limburger Bischofsresidenz : Einblicke ins Innere

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Zwei norditalienische Regionen wollen mehr Autonomie Video-Seite öffnen

          Nach Katalonien-Referendum : Zwei norditalienische Regionen wollen mehr Autonomie

          In Europa nehmen die Autonomiebestrebungen zu: Im Schatten des Konflikts um die Unabhängigkeitsforderungen Kataloniens von Spanien halten zwei norditalienische Regionen Abstimmungen über mehr Autonomie von der Zentralregierung in Rom ab - die Lombardei und Venetien. Das Votum unterscheidet sich jedoch in vielem deutlich von dem katalanischen Unabhängigkeitsreferendum.

          Madrid will Regierungsgewalt in Katalonien übernehmen Video-Seite öffnen

          Sturz mit Ansage : Madrid will Regierungsgewalt in Katalonien übernehmen

          Knapp drei Wochen nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hat die spanische Zentralregierung die Entmachtung der Separatisten eingeleitet. Die Regierung habe den Schritt nicht einleiten wollen, sei durch das Verhalten der katalanischen Regionalregierung aber dazu gezwungen gewesen.

          Topmeldungen

          Mitte September in München: Urteilsverkündung im Prozess gegen zwei mutmaßliche islamistische Kämpfer aus Syrien. 2017 leitete die Bundesanwaltschaft schon mehr als 900 Verfahren wegen Terrorismus ein.

          Bundesanwaltschaft : 2017 schon mehr als 900 Terror-Verfahren

          Die Zahl der Terrorismus-Verfahren in Deutschland nimmt deutlich zu. Das geht einem Bericht zufolge aus den aktuellen Zahlen der Bundesanwaltschaft hervor. Der rapide Anstieg stellt die Behörde vor große Probleme.
          Auch Andrea Nahles hat in der deutschen Politik schon häufig Erfahrungen mit Sexismus gemacht.

          SPD-Fraktionschefin : Nahles: Viel Sexismus in der deutschen Politik

          Sexismus in der deutschen Politik? Überall, immer wieder, sagt Andrea Nahles und beschreibt typische Situationen. Zumindest in der SPD will die neue Fraktionschefin das nun ändern. Frauen sollten Männer mit ihren eigenen Waffen schlagen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.