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Großrechner : Europas schnellster Computer steht in der Schweiz

Auf der Höhe der Zeit: Im Schweizer Zentrum für Computerwissenschaften (CSCS) Lugano wird der jüngste Rechner namens „Piz Daint“ installiert - ein Computer mit dem Namen eines Alpengipfels. Bild: dpa

Während China sich zur Heimat der leistungsstärksten Großrechner der Welt aufschwingt, klettert die Schweiz auf der Liste der besten Computer in Europa nach oben. Das hat seinen Preis.

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          Der Computer kam auf einem Tieflader. Er war schwer wie eine große Gasturbine und teuer wie ein kleines Flugzeug. Es brauchte Stunden, die mehr als zwei Dutzend schrankwandhohen Kisten abzuladen; es dauerte Wochen, sie einsatzbereit zu machen. Hunderte Arbeiter, Programmierer und Ingenieure waren am Werk. Tausende Wissenschaftler werden die Maschine nun bedienen. Dieser Aufwand muss sich lohnen.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Europa hat einen neuen Supercomputer. Eine Rechenmaschine der Extraklasse - und die Schweiz ist ihre Heimat. Das Rechenwunder muss den Anschluss zu den Amerikanern, Japanern und auch zu den Chinesen halten, es stammt aus dem Hause der amerikanischen Computerschmiede Cray, steht nun in Lugano, trägt das sperrige Label „XC30“ und wird passend zur neuen Heimstätte „Piz Daint“ genannt - ein Name, wie der eines schneebedeckten Alpengipfels. Ein Versprechen an die Wissenschaft.

          Kann der Computer doch in einer Sekunde bis zu 7500 Billionen Rechenoperationen ausführen - so viel wie kein anderer Rechner auf dem alten Kontinent. Mit dem Großrechner lassen sich binnen eines Wimpernschlags Milliarden Daten abrufen und analysieren, lassen sich Prognosen für die Klimaentwicklung liefern, Kernspaltungen, Atomfusionen und Kettenreaktionen simulieren, Krankheiten oder Erbanlagen erforschen. Piz Daint ist der neue Star im elitären Kreis von Europas Superhirnen.

          Auf der am Montag vorgestellten Liste der leistungsstärksten Rechner der Welt steht die Schweizer Maschine in der Spitzengruppe: Nur eine Handvoll Rechner in China, Amerika und Japan können noch mehr Aufgaben in noch kürzerer Zeit runter rattern. Waren in Europa in den vergangenen Jahren Forschungseinrichtungen in Deutschland vorn, stehen nun die Schweizer auf dem Gipfel.

          „Wir haben hier eine erstklassige Infrastruktur aufgebaut“, sagt Thomas Schulthess, Leiter des Zentrums für Supercomputer CSCS in Lugano. „An der Maschine können Forscher aus aller Welt arbeiten.“ Europäer, Amerikaner, Asiaten; Biologen, Geologen, Astrophysiker. Die Liste ist lang, Wartezeiten sind programmiert. Denn ohne Supercomputer geht in der Spitzenforschung heute nichts mehr - von der Erkundung der mikroskopisch kleinen Bausteine des Lebens bis zu den Unendlichkeiten des Alls.

          „In vielen Bereichen sind Supercomputer der Schlüssel zum Erfolg“, schreibt Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, im jüngsten Newsletter seines Hauses. In diesem Jahr seien die Nobelpreise für Chemie und Physik an Wissenschaftler gegangen, deren Arbeiten ohne Hochleistungscomputer nicht möglich gewesen wären. Das lässt die Anbieter elektronischer Hochleistungsrechner unter Volldampf arbeiten.

          Von 35,8 auf 33.862 Terraflops in zehn Jahren: Supercomputer werden immer schneller

          Konzerne und Staaten in aller Welt investieren Milliarden in ihre Forschung. Computerhersteller wie IBM, Cray oder Fujitsu haben die Leistung ihrer Großrechenmaschinen aufgerüstet; Chiphersteller wie Intel, AMD oder Nvidia arbeiten an daumennagelgroßen Steuerbausteinen, die so klein wie leistungsfähig sind und alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen; Zehntausende Programmierer sind damit beschäftigt, den Großrechnern ihre algorithmische Seele einzuhauchen und sie mit Milliarden von Befehlsketten sowie Anwendungssoftware zu füttern - und das in aller Welt.

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