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Davos : Renzi: Schritte der EZB werden ein Zeichen setzen

  • Aktualisiert am

Matteo Renzi ist voller Tatendrang: Tatsächlich hat er bislang viel mehr angekündigt als umgesetzt. Bild: AP

Italiens Regierungschef erklärt in Davos, wie wichtig Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank seien. Deutschlands Industriepräsident Ulrich Grillo ist skeptisch. Deutsche-Bank-Chef Jain erwartet mehr Stabilität.

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          Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat den weithin erwarteten Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) begrüßt. „Die Schritte der EZB werden ein Zeichen setzen, dass Europa in eine neue Richtung geht“, sagte Renzi auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

          Die Europäische Union dürfe nicht immer nur über das Sparen
          reden, sagte der Regierungschef. Europa brauche zur Überwindung der Krise „neue Ideen und Investitionen für mehr Wachstum“. Renzi betonte, dass Italien auf Maßnahmen zur Wachstumsförderung setze, um seine Strukturreformen fortsetzen zu können. Sein Land
          wolle „nicht als Museum, sondern als Laboratorium für Innovationen“
          wahrgenommen werden. Für den Erfolg der Reformbemühungen seien „mit Blick auf das EZB-Programm die nächsten zwölf Monate entscheidend“.


          Skepsis aus Deutschland

          Deutschlands Industriepräsident Ulrich Grillo äußerte sich hingegen skeptisch, ob der erwartete massive Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB das Wachstum in Europa ankurbeln kann. „Diese Maßnahme allein wird die europäische Konjunktur nicht nach vorne bringen“, sagte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) an diesem Mittwoch in Berlin.

          Die Euro-Krisenländer kämen bereits jetzt zu niedrigen Zinsen an ausreichend Geld. Es sei deshalb fraglich, ob durch die EZB „zusätzliches Wachstum losgetreten werden kann“. Wichtig seien weitere Strukturreformen und Anstrengungen der Politik.

          Deutsche Bank-Boss: QE stabilisiert Europa

          Für die Europäische Zentralbank (EZB) gibt es nach Ansicht von Grillo nun aber keinen Weg mehr zurück - wenn das seit Monaten von den Märkten in den Wertpapierpreisen schon einkalkulierte Programm nicht an diesem Donnerstag verkündet werde, hätte das negative Folgen.

          Nach Ansicht des Investmentbankers und Deutsche-Bank-Bosses Anshu Jain wird das wohl bevorstehende EZB-Kaufprogramm tiefgreifende Auswirkungen für die europäischen Banken mit sich bringen. Ein breit angelegter Kauf von Staatsanleihen und anderen Bonds (QE) werde die Stabilität in Europa erhöhen, sagte Jain auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Es werde weniger Insolvenzen geben, die Geldhäuser müssten weniger Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen. „Das sollte positiv für die Banken sein.“

          Auf der anderen Seite bedeutete QE aber auch sehr niedrige Zinsen. Die Zinsmargen der Banken würden deshalb weiter „zerstört, was natürlich eine große Herausforderung sein wird“, sagte Jain. „Die besten Teile unseres Geschäfts, das Einlagengeschäft und der Handel, werden alle in Mitleidenschaft gezogen.“

          Die EZB wird nach einhelliger Auffassung und auf Basis vieler Äußerungen der wichtigsten Euro-Notenbanker an diesem Donnerstag den massenhaften Ankauf von Anleihen beschließen. Damit soll ein
          Abgleiten der Wirtschaft der Währungsunion in eine langanhaltende Schwächephase verhindert werden. Der Markt erwarte ein
          Ankaufprogramm mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro, sagte Jain. 500 Milliarden Euro wäre für den Markt eine Enttäuschung, eine
          Billion (1000 Milliarden) wäre eine positive Überraschung.


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