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Spanische Fluggesellschaft : Iberia kämpft um das Überleben

Verlustbringer: Iberia-Maschinen auf dem Flughafen von Madrid. Bild: dapd

Die angeschlagene spanische Fluggesellschaft schreibt täglich 1,7 Millionen Euro Verlust. Ein Sparprogramm soll jetzt die Rettung bringen. Fast jede vierte Stelle soll gestrichen werden.

          2 Min.

          Die angeschlagene spanische Fluggesellschaft Iberia soll mit einem weitreichenden Sparprogramm vor dem Aus bewahrt werden. „Iberia steckt in einem Kampf ums Überleben“, warnte Willie Walsh, der Vorstandsvorsitzende des Eigentümers International Consolidated Airlines Group (IAG), dem Zusammenschluss von Iberia und British Airways (BA), am Freitag. Iberia schreibe derzeit einen Verlust von 1,7 Millionen Euro am Tag. Nun will Europas drittgrößter Luftfahrtkonzern fast jede vierte Stelle in seiner spanischen Sparte streichen und geht damit auf Konfrontationskurs zu den Gewerkschaften. 4500 von bislang 20000 Arbeitsplätzen sollen wegfallen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Kahlschlag ist ein weiteres Krisensignal in der europäischen Luftfahrtbranche. Auch die beiden IAG-Wettbewerber Air France KLM und Lufthansa haben in den vergangenen Wochen den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen angekündigt. Ihnen machen der hohe Ölpreis, die Wirtschaftsflaute in Europa und die wachsende Konkurrenz durch erfolgreiche Billigflieger wie Easyjet und Ryanair zu schaffen.

          Harter Sanierer

          BA und Iberia haben im Frühjahr 2010 fusioniert. Das Sparprogramm für den spanischen Teil des Konzerns sei überfällig, sagte IAG-Chef Walsh nun. „Zu lange haben die engen Eigeninteressen weniger die langfristige Zukunft vieler beschädigt. Wir werden nicht zögern, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Interessen unserer Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter zu schützen.“ Der Ire hat einen Ruf als harter Sanierer, seit er vor zwei Jahren bei BA in einem erbittert geführten Kampf mit der Belegschaft umfangreiche Sparmaßnahmen durchgesetzt hat. Damals hatte Walsh ebenfalls davor gewarnt, dem Unternehmen drohe ohne Kostensenkungen das Aus.

          Iberia steuert jetzt auf einen Arbeitskampf zu. Spanische Gewerkschafter kündigten am Freitag Widerstand gegen die geplanten Kürzungen an. „Iberia wird demontiert“, sagte Manual Atienza von der Gewerkschaft UGT. „Wir lehnen diese Stellenstreichungen und das Restrukturierungsprogramm vollständig ab.“ Die vorgesehenen Kürzungen würden „mit allen unseren Waffen“ bekämpft, sagte der Arbeitnehmervertreter. Die Pilotenvereinigung Sepla kritisierte, es sei nicht akzeptabel, dass Iberia zurückgestutzt werde, während die Schwestergesellschaft BA wachse. Der Eigentümer IAG will jedoch rasch Ergebnisse erzielen: Bis Ende Januar müsse eine Einigung mit den Gewerkschaften erzielt werden, andernfalls wären noch tiefere Einschnitte notwendig, drohte der Konzern. „Die Zeit arbeitet gegen uns“, sagte Walsh.

          Die Schwierigkeiten von Iberia seien nicht allein auf die Wirtschaftskrise in Spanien und anderen Euroländern zurückzuführen, sondern „systematisch“, erläuterte Geschäftsführer Rafael Sánchez-Lozano. Die Fluggesellschaft sei in allen ihren Märkten unprofitabel. Nun sollen im kommenden Jahr 15 Prozent der Flugkapazität gekürzt werden. Dazu werden im Kurzstreckenverkehr zwanzig Flugzeuge und auf der Langstrecke fünf Maschinen stillgelegt. Auch Gehaltskürzungen soll es geben. Bis Mitte 2013 soll Iberia einen positiven Mittelzufluss (Cash Flow) erreichen. Angepeilt wird eine Ergebnisverbesserung von mindestens 600 Millionen Euro gegenüber dem laufenden Jahr.

          Wachstumschancen sieht IAG im Billigfluggeschäft: Für 113 Millionen Euro soll die spanische Discount-Airline Vueling vollständig übernommen werden. IAG gehören schon 46 Prozent an dem Unternehmen. Auch die Lufthansa hat im Oktober angekündigt, den Kurzstreckenverkehr künftig großteils auf ihre Billigmarke Germanwings zu verlagern, um Easyjet und Ryanair besser Paroli bieten zu können.

          Die Iberia-Misere spiegelt sich auch in den ebenfalls am Freitag veröffentlichten Neunmonatszahlen von IAG. Während BA einen Betriebsgewinn von 286 Millionen Euro erwirtschaftete, machte Iberia einen Verlust von 262 Millionen Euro. Insgesamt verdiente der Luftfahrtkonzern bis Ende September 17 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es 451 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet IAG mit einem operativen Verlust von rund 120 Millionen Euro - ohne Berücksichtigung der Restrukturierungskosten für Iberia, die bislang nicht beziffert werden. Im dritten Quartal hat IAG einen Rückgang des Nettogewinns um ein Viertel auf 202 Millionen Euro verbucht. Der Umsatz legte um 12,6 Prozent auf rund 5 Milliarden Euro zu.

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