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Auf einen Espresso : Vom Flieger bis zum Vollbart

Die Auftragsbücher der Flugzeughersteller füllen sich. Und Dominique Strauss-Kahn trägt plötzlich Vollbart. Die Woche im Rückblick.

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          Goldene Zeiten für Airbus und Boeing. Trotz der nicht einfachen Lage der Weltwirtschaft füllen sich die Auftragsbücher der beiden Erzrivalen im Bau großer Passagierflugzeuge. Das hat der gerade zu Ende gegangene Luftfahrtsalon von Dubai ebenso bewiesen wie ein Großauftrag für Boeing in Indonesien. Alleine wegen der Notwendigkeit, viele alte, aus heutiger Sicht nicht mehr sehr effiziente Flieger durch neue und leistungsfähige Modelle zu ersetzen, können die beiden Unternehmen auf viele weitere Aufträge rechnen. Als Zeitung verhalten wir uns in diesem erbitterten Duell vorbildlich neutral: Während ein Kollege vom Erstflug mit dem "Dreamliner" schwärmt und uns jeden Großauftrag für Boeing persönlich mitteilt, steht in unserem Büro ein Modell eines Airbus A380.

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          Ja, die Liberalen. Da haben sie einen Parteitag in unserer weltmännisch-biederen Apfelweinhochburg abgehalten. Und wie sieht es aus? Unsere FDP-erfahrene Gewährsfrau berichtet, dass niemand den Saal so in Beifall versetzte wie Guido Westerwelle, der doch vor nicht allzu langer Zeit wegen vermutet-bewiesener Unfähigkeit vom Parteivorsitz entfernt wurde. Und nun sehen wir zu einem Überfluss eine Umfrage, nach der die FDP nur noch bei 2 Prozent liegt. Wie konnte das passieren? Da fällt uns nicht einmal mehr ein passendes französisches Sprichwort ein.

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          Nicht verzagen, Mayer fragen. Der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, gehört zu den auch nach außen engagiertesten Ökonomen in dieser Krise. Zuerst konzipierte er mit seinem Ökonomenkollegen Daniel Gros eine Art Europäischen Währungsfonds, den er mit einer Banklizenz ausstatten wollte. Das hätte in der Praxis bedeutet, dass der Fonds mit Mitteln der EZB Staatsanleihen hätte kaufen können. Dies wäre ein schwerer Verstoß gegen die traditionelle deutsche Vorstellung von Geldpolitik. Dann outete sich Mayer als Anhänger der "österreichischen Schule", die Staatsfinanzierung durch die Notenpresse ablehnt wie der Teufel das Weihwasser und überhaupt am liebsten eine Goldwährung hätte. Anschließend schrieb Mayer zusammen mit Hans-Werner Sinn einen Beitrag in dieser Zeitung, in dem das Duo wegen der Möglichkeit einer unerwünschten Inflationspolitik der EZB durch Staatsfinanzierung dem deutschen Staat die Ausgabe spezieller inflationsgeschützter Anleihen ans Herz legte. Dieser Tage hat Mayer vorgeschlagen, die EZB solle für zehnjährige italienische Anleihen eine Renditeobergrenze sichern - was gegebenenfalls hohe Staatsanleihenkäufe der Zentralbank bedeutete. What's next?

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          Fazit, das Wirtschafts- und Finanzblog von F.A.Z. und Sonntagszeitung, ist nun gut eine Woche am Start. Es gab überwiegend Lob, gute Wünsche und auch etwas sachliche und damit willkommene Kritik. Die seltenen polemischen Ausfälle kamen von Leuten, von denen wir nichts anderes erwartet hatten. Wer das Blog noch nicht kennt: Unter www.faz.net/fazit wird man fündig.

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          Mehrere Regierungen haben die laufende Krise nicht überstanden. Irland machte den Anfang im Euroraum, dann kam Portugal, anschließend Griechenland und Italien, und mit der Wahl am Sonntag endet die Amtszeit des amtierenden spanischen Ministerpräsidenten. Machtwechsel gab es auch in Washington und London. Die Krise hat aber auch nicht wenige Bankchefs ihren Job gekostet, und dies auch bei allerersten Adressen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein paar Namen von Banken, die ihren Vormann seit Mitte 2007 ausgemustert haben: Bank of America, Citigroup, Morgan Stanley, UBS, Unicredit, LBBW, Bayerische Landesbank, West LB, HSH Nordbank, Société Générale, Dexia und so weiter und so fort. Nicht jeder neue Besen kehrt automatisch gut, aber nur mit alten Besen kann man sich auch nicht durch eine langjährige Krise kehren.

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          Nicolas Sarkozy sieht in den Umfragen etwas besser aus, aber bis zu den Präsidentenwahlen ist es noch lange. Zumal bis dahin das "AAA"-Rating Frankreichs perdu sein dürfte. Welches Rating Dominique Strauss-Kahn derzeit am besten kennzeichnete, wollen wir gar nicht wissen. Auf den neuesten Fotos trägt er einen Vollbart, sein Name kursiert in einer weiteren und wiederum ziemlich peinlichen Sexaffäre, und die Gerüchte über den Zustand seiner Gesundheit sowie seiner Ehe sind so, dass Strauss-Kahns Anwälte juristische Schritte gegen allzu neugierige französische Publikationen angedroht haben.

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