https://www.faz.net/-gy9-8li8r

Plug-in-Hybride : Alternatives Auto sucht Anschluss

Der neue Porsche Panamera ist von April 2017 an als Hybrid-Version erhältlich. Für 107000 Euro ist er das günstigste Panamera-Modell Bild: Hersteller

Der Benzinmotor mit aufladbarem Elektroantrieb gilt als Brückentechnologie zum rein elektrischen Fahren. Die deutschen Hersteller sind auf diesem Feld führend.

          6 Min.

          Von jedem Automodell müsste es eine rein elektrische Variante geben, forderte Verkehrsminister Alexander Dobrindt unlängst in einem Interview. Nur dann habe das E-Auto eine wahre Chance auf dem Markt. Dobrindt hat in diesem Punkt gewiss recht, doch bis es so weit ist, werden noch Jahre oder vielleicht Jahrzehnte vergehen. Die Industrie kann nicht so schnell liefern, wie die Politik erhofft.

          Boris Schmidt
          (fbs.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Und sie hat gute Gründe. Elektroautos zu vermarkten ist mehr als schwierig, solange die grundsätzlichen Schwächen wie fehlende Reichweite, mangelnde Ladeinfrastruktur und hoher Preis nicht ausgemerzt sind. Selbst mit der vom Staat und der Industrie gewährten Prämie von 4000 Euro bewegt sich kaum etwas. Der Marktanteil der Elektroautos in Deutschland liegt bei unter einem Prozent, 2016 ist der Absatz von Stromern sogar rückläufig: In den ersten acht Monaten wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur 6037 E-Autos neu zugelassen, das ist ein Minus von 6,5 Prozent.

          Das vermeintlich Beste aus zwei Welten bieten Autos mit Plug-in-Hybrid-Technik. Sie sind in erster Linie Autos mit Verbrennungsmotor, haben aber zusätzlich einen Elektromotor, der dem Verbrenner bei der Arbeit hilft, aber auch rein elektrisches Fahren möglich macht. Die dazu notwendige Batterie kann an der Steckdose aufgeladen werden. Für diese Art Fahrzeug gibt es jetzt ebenfalls einen Zuschuss: 3000 Euro, sofern mindestens 30 Kilometer elektrische Reichweite möglich sind. Tatsächlich legten die Plug-in-Hybride im genannten Zeitraum um stattliche 23 Prozent zu, knapp 8000 Einheiten sind jedoch nicht die Welt.

          In knapp vier Stunden ist der A3 e-tron wieder aufgeladen
          In knapp vier Stunden ist der A3 e-tron wieder aufgeladen : Bild: Schmidt

          Auch diese Technik ist teuer, muss teuer sein: Schließlich hat ein Hybrid (lateinisch hybrida: Bastard, Mischling) alles doppelt an Bord. Und das Zusammenspiel von E- und V-Maschine will geübt sein, es steckt hoher Entwicklungsaufwand dahinter.

          Der große Vorteil der Beideskönner: Mit ihnen gibt es keine Reichweitenangst. Der Italien-Urlaub ist kein Problem, nur ist je nach Modell der Kofferraum etwas kleiner. Die kurzen Strecken zur Arbeit oder zum Einkaufen können rein elektrisch abgespult werden, und sollte es irgendwann einmal tatsächlich Sperrungen von Innenstädten für konventionelle Autos geben, man wäre auf der sicheren Seite.

          Wurde früher oft den deutschen Autoherstellern vorgeworfen, sie verschliefen Trends, ist das beim Thema Plug-in gewiss nicht so. Im Gegenteil. Sie machen ihn. Wer mit dem Kauf eines Autos mit Tank und Kabel liebäugelt, kommt an Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen kaum vorbei. Nur Volvo und Mitsubishi haben bisher mitgehalten, in naher Zukunft tun dies auch Kia und Hyundai (siehe Kasten unten).

          Erklärvideo : Wie funktioniert ein Elektroauto?

          Bei den japanischen Herstellern ist der Plug-in-Hybrid bislang ebenso Fehlanzeige wie bei den französischen, auch Opel und Ford spielen nicht mit, ebenso wenig Fiat oder Jaguar und Land Rover. Was nicht heißen soll, dass nicht fast alle Hersteller an dem Thema arbeiten. Ford hat gerade verkündet, dass es bis zum Jahr 2020 für 40 Prozent der Produktpalette elektrifizierte Varianten geben soll. Peugeot und Citroën haben schon im April angekündigt, in den nächsten fünf Jahren sieben Benzin-Hybride (und vier neue E-Fahrzeuge) auf den Markt bringen zu wollen. Es sollen auch Plug-in-Modelle dabei sein. Reine Hybride (Toyota Prius), bei denen der Elektromotor ausschließlich als Unterstützer des Hauptmotors fungiert, könnten mittel- bis langfristig von der Nachfrage her ins Hintertreffen geraten. Sie bieten eben nicht oder kaum die Möglichkeit des rein elektrischen Fahrens. Mehr als drei Kilometer sind in der Regel nicht drin.

          Weitere Themen

          Sieht nach Sackgasse aus

          Elektrischer Lexus UX 300e : Sieht nach Sackgasse aus

          Der UX 300e ist der erste rein elektrische Lexus für den deutschen Markt. Er zeigt gute Ansätze, aber die Ladetechnik ist nicht auf dem neuesten Stand. Und er wird ausschließlich über Leasing vertrieben.

          Willys kleiner Enkel

          Fahrbericht Jeep Renegade : Willys kleiner Enkel

          Ein echter Jeep aus Italien? Das geht, der kleine Renegade glänzt mit viel Platz, reicher Ausstattung und vielen anderen Talenten. Als Plug-in-Hybrid ist er jetzt sogar auf der Höhe der Zeit.

          Topmeldungen

          Daisuke Inoue mit seiner Erfindung

          Geistiges Eigentum : Erfinden ohne Patente

          Der Schutz durch Patente treibt die Wissenschaft auf den Markt. Doch viele Forscher und Erfinder haben sich ihre geistigen Früchte gar nicht schützen lassen.
          Gefährdete Spezies: Auch für Hersteller von Spielzeugpuppen werden derzeit die Rohstoffe knapp.

          Rohstoffmangel in Europa : Bei Barbiepuppen wird es schon eng

          In Europa werden Rohstoffe knapp. Pappe, Metall und Kunststoff sind Mangelware. Lieferketten sind zu anfällig, die Vorräte zu dürftig. Vor Jahresende ist wenig Besserung in Sicht.
          Eine Figur des britischen Premierminister Boris Johnson im Hafen von Hartlepool am 7. Mai

          Nachwahl in Hartlepool : Die krachende Niederlage der Labour Party

          Die überwältigende Mehrheit für die Tory-Kandidatin in der früheren Labour-Hochburg Hartlepool erschüttert die Oppositionspartei. Und wirft die Frage auf, ob Keir Starmers Zeit als Vorsitzender abgelaufen ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.