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Politische Isolation : Macron, einsam in Europa

Emmanuel Macron Bild: Reuters

Macrons Bewegung gilt als unkonventionell und unabhängig von den großen Parteien. Doch Europa ist kaum zu gestalten, ohne starke Partner aus den Reihen der Etablierten.

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          Emmanuel Macron hat sich diese Woche an alle Bürger Europas gewandt, in deren Sprachen, in deren Zeitungen. Das ist ungewöhnlich, er ist ja der Präsident Frankreichs, nicht Europas. Einige Regierungschefs wussten von seinem Aufruf zur „Wiedergeburt Europas“, jedenfalls so ungefähr, andere wurden davon überrascht. Gezeichnet war er nur mit seinem Namen, ohne Funktion. Das ist eine Stärke Macrons, er hält sich nicht an Konventionen; in Frankreich hat er sie erfolgreich gesprengt. Aber es ist auch seine Schwäche in Europa: Solange sich die anderen an die etablierten Formen der Politik halten, steht er allein da – und seine große Pose wirkt schnell selbstgefällig.

          Macron ist kein herkömmlicher Parteimann, sondern Bewegungspolitiker. Seine Partei trägt das immer noch im Namen: „La République en marche!“ – zu Deutsch: Die Republik in Bewegung! Seit er den Elysée-Palast erobert hat, versucht er, sein Erfolgsprinzip auf ganz Europa zu übertragen: eine Bürgerbewegung jenseits von links und rechts, die nicht der nationalen Abschottung das Wort redet, sondern für gemeinsame europäische Lösungen wirbt. Gelungen ist ihm das bisher nicht. Zwar bröckeln die Parteiensysteme in vielen Staaten, doch profitieren davon fast immer die antieuropäischen Populisten. Natürliche Partner hat er deshalb kaum gefunden, allenfalls die liberalen Ciudadanos („Bürger“) in Spanien.

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