Zukunft der Nato : Gegen den Abzug

In diesem Fall geht selbst den Republikanern der Trumpsche Furor zu weit: Die amerikanischen Truppen in Deutschland sollen bleiben. Ein Grund für Deutschland sich zurückzulehnen ist dies aber nicht.
Es kommt nicht oft vor, aber wenn es um die Nato geht, sind sich Demokraten und Republikaner einig: Die Allianz genießt nach wie vor hohe Wertschätzung, deren Bedeutung für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten wird anerkannt – während Präsident Trump in der Nato vor allem ein Inkassounternehmen sieht. Insofern kommt es nicht überraschend, dass beide Kammern des Kongresses das Vorhaben Trumps vorerst blockieren, rund 12.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Es ist erfreulich, dass es zumindest im Kapitol noch strategischen Verstand gibt; im Weißen Haus, Stand Ende 2020, ist dafür kein Platz. Das mag sich aber ändern.
Was Deutschland betrifft, so hatte Trump der Bestrafungsteufel geritten. Die nachgereichten Begründungen aus dem Pentagon waren fadenscheinig. Der Kongress verlangt nun genaue Darlegungen, welche Konsequenzen ein Abzug für Amerika hätte, für seine Verbündeten, für Verlegungs- und Abschreckungsfähigkeit. Auswirkungen des angekündigten Abzugs aus Afghanistan müssen ebenfalls benannt werden.
Offenkundig ist die Unzufriedenheit mit den bisher vorgetragenen Begründungen so groß, dass selbst Republikaner sich gegen Trump stellen. Es gibt also noch Überparteilichkeit, wenn auch begrenzt, und es gibt Sympathie für Verbündete wie Deutschland und Südkorea. Einen Nostalgiebonus gibt es allerdings nicht: Sobald es wieder um Lastenteilung geht, werden auch diese Partner, besonders der eine, an ihre Zusagen erinnert werden.



