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Sammlung Gurlitt : Der Sündenbock

  • -Aktualisiert am

Bild: Greser & Lenz

Wie weit der Schatten der Vergangenheit reicht, zeigt das Strafverfahren gegen Cornelius Gurlitt. Ein Drama in fünf Akten.

          Am 24. November 2014 hat das Kunstmuseum Bern die Erbschaft von Cornelius Gurlitt angenommen, auch wenn vorerst ein Großteil der Bilder zur weiteren Überprüfung der Provenienz in Deutschland verbleibt. Ob die Causa Gurlitt hierdurch einen Abschluss gefunden hat, ist nicht nur wegen der angekündigten Anfechtung des Testaments durch eine Gurlitt-Cousine, sondern auch aufgrund einer drohenden Prozesslawine der Erben der in der NS-Zeit Enteigneten zweifelhaft. Fast scheint es, als liege ein Fluch auf der Sammlung, denn seit der strafprozessualen Beschlagnahme wird niemand mit den Bildern richtig glücklich. Wie weit der Schatten der Vergangenheit reicht, wurde insbesondere in dem sich gegen Cornelius Gurlitt richtenden Strafverfahren deutlich. I. Vorspiel

          Am Ende ist Cornelius Gurlitt gestorben, nachdem ihn das medienwirksame Strafverfahren in eine vollends andere Umlaufbahn als jene katapultiert hatte, auf der er bis dahin mit „seinen“ Bildern kreiste. Das Verfahren war einzustellen, weil angesichts des durch den Tod begründeten Verfahrenshindernisses kein genügender Anlass zur Erhebung der öffentlichen Klage bestand.

          Im April war es noch zu der als „Lösung des gordischen Knotens“ gefeierten Vereinbarung zwischen dem Freistaat Bayern, dem Bund und Cornelius Gurlitt gekommen, in der dieser sich bereiterklärt hatte, im Falle der Beendigung der Beschlagnahme auf „freiwilliger Basis“ eine Fortsetzung der Provenienzrecherche für ein weiteres Jahr zu ermöglichen; danach wären auch „verdachtsbefangene“ Kunstwerke an ihn herauszugeben gewesen. An seiner Stelle wird der Erbe - vorbehaltlich weiterer zivilrechtlicher Auseinandersetzungen das testamentarisch benannte Kunstmuseum Bern - die Bilder erhalten.

          Die Vereinbarung aus dem April sollte laut damaliger Pressemitteilung keinerlei Regelung für das laufende Strafverfahren treffen. Ein solches Statement war verwegen. Selbstverständlich hätte die Vereinbarung Auswirkungen auf das Strafverfahren gehabt, das man in absehbarer Zeit wohl auch ohne den Tod Cornelius Gurlitts nach Paragraph 153 Absatz 1 StPO eingestellt hätte. Denn dessen Schuld wäre als gering anzusehen gewesen, und es bestand kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung. Darüber hinaus schien der alte Mann mit dieser Vereinbarung moralisch rehabilitiert und konnte sich fortan kaum noch vor Bekundungen der Anerkennung retten, die post mortem nur umso pathetischer vorgetragen wurden.

          Wo so viel gelobt wird, stimmt etwas nicht. Und im Rückblick wirft dieses Strafverfahren Fragen auf. Obwohl der Fall Gurlitt alles andere als frei von skurrilen Elementen ist, liegt es nahe, jenen Fragen in Orientierung am klassischen Drama nachzugehen, das dem Aufbau von Exposition, Komplikation, Peripetie, Retardation und Katastrophe folgt. II. Erster Akt: Exposition

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