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Plädoyer für die Freiheit : Demokratie als Lebensweise

  • -Aktualisiert am

Madeleine Albright mit Kim Jong-il im Oktober 2000. Bild: AFP

Die ehemalige amerikanische Außenministerin Albright engagiert sich auch nach Ende ihrer politischen Karriere.

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          Was für ein Lebensweg. Ein in der Tschechoslowakei vor dem Weltkrieg geborenes Flüchtlingskind findet 1948 Zuflucht in den Vereinigten Staaten, zunächst auf Long Island, dann in Denver, studiert, gründet eine Familie, zieht drei Kinder groß und wird während der Präsidentschaft des Demokraten Bill Clinton zunächst Botschafterin bei den Vereinten Nationen und 1997 erste Außenministerin der Vereinigten Staaten. Nicht genug damit, gründet Madeleine Albright nach dem Regierungswechsel 2001 die Beratungsfirma „Albright Group“, später „Albright Stonebridge Group“, lehrt weiter an der Georgetown Universität, übernimmt den Vorsitz des „Board of Directors“ des „National Democratic Institute“ (NDI) und schreibt im „dritten Akt“ ihres Lebens mehrere Bücher.

          In ihrer nun vorgelegten, höchst lesenswerten Autobiographie entfaltet sie ihre Lebensgeschichte, klug und persönlich, und taucht dabei immer wieder in die Politik der Vereinigten Staaten zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein. Ihren Abschied aus dem Amt der Außenministerin schildert sie mit hinreißender Selbstironie. Eingeladen zu einem Essen mit Condoleezza Rice, der ersten Nationalen Sicherheitsberaterin von Clintons Nachfolger im Weißen Haus, dem Republikaner George W. Bush, stürzt sie vor ihrem Haus und muss ins Krankenhaus. Dort kann sie sich in der Aufnahme nicht ausweisen und versucht dies zu heilen, indem sie darauf verweist, dass sie doch Außenministerin war. Die Krankenschwester in der Notaufnahme beeindruckt das nicht. Außenminister sei doch Colin Powell. Albright pflichtet ihr bei, nur um dann hinzuzufügen, dass sie vorher diesen „Job“ gehabt habe. Die Krankenschwester fasst das vollkommen ungerührt zusammen: „Das heißt also, Sie sind arbeitslos.“

          „Arbeitslos“ ist Madeleine Albright freilich nicht. Im Gegenteil: Im Bewusstsein der Fragilität von Demokratien hebt sie, nun als Vorsitzende des NDI, bei „jeder Gelegenheit die Verdienste freiheitlicher politischer Systeme“ hervor. In diesem Zusammenhang bekundet sie auch freimütig ihre Ansicht, dass „sich die Demokratie durch militärische Mittel nicht wirksam fördern lässt“, eine Absage an Präsident George W. Bushs missionarischen Eifer nach dem 11. September 2001, der es sich auf die Fahnen geschrieben hatte, den Nahen und Mittleren Osten durch Waffengewalt zu „demokratisieren“. Albright versteht sich als Brückenbauerin, die statt scharfer parteipolitischer Abgrenzung auf Zusammenarbeit setzt. Zu John McCain, dem inzwischen verstorbenen republikanischen und von ihr hochgeschätzten Senator aus Arizona, pflegt sie ein enges Verhältnis und sieht ihn als „Partner im Kampf für die Demokratie“. Auch mit Sam Brownback, dem früheren konservativen republikanischen Senator aus Kansas, arbeitet sie im Rahmen der internationalen Armutsbekämpfung wie selbstverständlich zusammen, weil dies moralisch richtig ist.

          Brownback spricht sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe aus und ist auch in vielen anderen Punkten ganz anderer politischer Auffassung als Albright. Dass „er aus religiösen Gründen den humanen Umgang mit Immigranten“ befürwortet, ist der früheren Außenministerin Grund genug, um dennoch mit ihm zusammenzuarbeiten. Vielleicht liegt dieses Selbstverständnis, die moralische Autorität der Vereinigten Staaten über parteipolitische oder gar nationalistische Interessen zu stellen, in Albrights Biographie begründet. Sie wurde katholisch erzogen, und das Beten war für sie „etwas ganz Natürliches in ihrer Kindheit“. Später, zu der Zeit als sie Außenministerin wurde, sollte sie erfahren, dass sie aus einer jüdischen Familie stammt und mehr als zwei Dutzend ihrer Verwandten, darunter drei Großelternteile, in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet worden waren.

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