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Bericht über iranisches Atomprogramm : Iran kritisiert IAEA-Bericht als Vorwand für Militärschlag Israels

  • Aktualisiert am

Der iranische Außenminister Salehi Bild: AFP

Vor der Veröffentlichung des Berichts über das iranische Atomprogramm hat Irans Außenminister Salehi das Papier scharf kritisiert: Es beruhe auf gefälschten Dokumenten und könne als Vorwand für einen Angriffskrieg Israels verwendet werden.

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          Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi hat den unveröffentlichten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA über ein iranisches Atomwaffenprogramm scharf kritisiert. Der Bericht beruhe auf gefälschten Dokumenten und könne als Vorwand für einen Angriffskrieg Israels gegen Iran verwendet werden, sagte Salehi, der die Dokumente, auf die sich der Bericht berufe, mit Falschgeld verglich. Salehi bedauerte, dass das iranische Atomprogramm nicht als technische Angelegenheit behandelt, sondern politisiert werde. Zugleich bekräftigte Salehi, dass Iran sich nicht vor einem Militärschlag fürchte. Seit acht Jahren höre Teheran diese Drohungen, sagte er. Iran habe aber Selbstvertrauen und könne sich selbst verteidigen. Schon am vergangenen Donnerstag hatte Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad gesagt, ein kritischer Punkt sei erreicht, bei dem der Westen eine militärische Konfrontation plane.

          Der israelische Staatspräsident Peres deutete am Wochenende an, dass Presseberichte über einen möglichen Angriff auf Iran nicht unbegründet seien. Israel stehe einer Militäraktion gegen Iran näher als einer diplomatischen Lösung, sagte er in einem Fernsehinterview. Geheimdienstberichte aus mehreren Ländern zeigten, dass nicht mehr viel Zeit bleibe, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Es könnte sein, dass Teheran nur noch sechs Monate benötige, um über eigene Atomwaffen zu verfügen. „In der verbleibenden Zeit müssen wir die Staaten der Welt zum Handeln drängen und ihnen sagen, dass es nun an der Zeit ist, die uns gegebenen Versprechen einzulösen, die nicht nur darin bestehen, Sanktionen zu verhängen“, sagte Peres. Es gebe eine „lange Liste von Optionen“, fügte er hinzu.

          Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete am Sonntag, dass die israelische Regierung Amerika nicht verbindlich versprochen habe, Washington vorher über einen Angriff zu informieren. Dieser Eindruck sei während des jüngsten Besuchs des amerikanischen Verteidigungsministers Panetta Anfang Oktober in Israel entstanden, schrieb die Zeitung und berief sich dabei auf ungenannte amerikanische Quellen. Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Barak hätten Panetta auf entsprechende Fragen keine präzisen Antworten gegeben.

          Die amerikanischen Streitkräfte beobachten mit erhöhter Wachsamkeit Vorbereitungen Israels und Irans auf eine mögliche militärische Auseinandersetzung. Sowohl das für den Nahen und Mittleren Osten zuständige Zentralkommando der amerikanischen Streitkräfte in Tampa in Florida, in dessen Aufgabenbereich Iran fällt, sowie das unter anderem für Israel zuständige Europäische Kommando in Stuttgart verfolgten Entwicklungen in der Region mit „wachsender Aufmerksamkeit“, sagte ein ranghoher Pentagonmitarbeiter dem Nachrichtensender CNN. Washington betrachtet Iran als die größte Bedrohung für die amerikanischen Sicherheitsinteressen in der Region – wegen der Unterstützung terroristischer Organisationen durch Teheran, wegen des iranischen Nuklearwaffenprogramms und angesichts des wachsenden Einflusses Teherans im Nachbarland Irak.

          Washington geht nicht davon aus, von Israel über Militärschlag informiert zu werden

          Wie der Pentagonmitarbeiter von CNN weiter zitiert wird, geht Washington nicht mehr davon aus, vorab von Israel über einen Militärschlag informiert zu werden. Im Pentagon ist man überzeugt, dass die iranische Luftabwehr höchsten internationalen Standards entspricht und für die israelische Luftwaffe bei Angriffen mit Jagdbombern eine ernsthafte Gefahr darstellen würde. Der Einsatz von tieffliegenden Drohnen kommt für einen möglichen Einsatz Israels gegen iranische Nuklearanlagen nicht in Frage, weil die Ziele in Iran außerhalb der Reichweite der unbemannten Flugzeuge der israelischen Luftwaffe liegen.

          Die israelische Zeitung „Jediot Ahronot“ beanspruchte unterdessen, schon 2006 über die iranische Atomwaffenfabrik in Parchin in der Nähe von Teheran geschrieben zu haben, über die am Wochenende von anderen Medien berichtet worden war. Damals schrieb der Geheimdienstfachman Ronen Bergman über erste Atomtests sowie umfangreiche Bauarbeiten auf dem Gelände, die auf Satellitenbildern zu sehen seien. Die Veröffentlichung des IAEA-Berichts, der angeblich auch die Fabrik in Parchin erwähnen wird, komme für Israel zu einem „perfekten“ Zeitpunkt, um noch rechtzeitig die internationalen Sanktionen gegen Iran zu verschärfen, hieß es in der Zeitung.

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