https://www.faz.net/-gpf-9kmo3
Bildbeschreibung einblenden

Beschaffungen der Bundeswehr : Nicht gut gerüstet

Der Truppe dienen: Von der Leyen will das Beschaffungswesen verbessern. Bild: AP Photo/Petros Giannakouris

Der Bundeswehr mangelt es oft an Material – die Auslieferungen von Gerätschaften an Heer, Luftwaffe und Marine zieht sich trotz Milliarden aus Steuergeldern in die Länge. Das Amt, das dafür zuständig ist, sieht wenig Änderungsbedarf. Es fühlt sich von der Politik gegängelt.

          6 Min.

          Für ihre Ausrüstung und Beschaffung betreibt die Bundeswehr einen gewaltigen Motor. Im beschaulichen Koblenz arbeitet für die Streitkräfte eine Riesenmaschinerie, die mit mehr als 10.000 Dienstposten dafür sorgen soll, dass die Fregatten im östlichen Mittelmeer, die Panzergrenadiere in Kabul, oder Hubschraubertechniker im afrikanischen Gao alles haben, was sie für ihre Einsätze brauchen, vom Dosenöffner bis zum Kampfhubschrauber.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Hinzu kommen Truppenteile in Hunderten Kasernen, Depots, Häfen, Flugplätzen, Krankenhäusern überall in Deutschland, die ihre Ausrüstung über das Koblenzer Amt beziehen. Es organisiert, zertifiziert und kontrolliert und betreibt die Ausrüstung für rund 280.000 Soldaten und Zivilbeschäftigte. Das ist eine komplexe Mammutaufgabe, die oft genug mit großem Einsatz gelöst wird. Zu oft aber auch nicht.

          Der riesige Beschaffungsmotor verschlingt Steuergelder. Alleine in den vergangenen fünf Jahren hat der Bundestag Investitionen in Höhe von 28 Milliarden Euro bewilligt, um Heer, Luftwaffe und Marine nach Jahren des Sparens in Zeiten diffuser Bedrohungen zu modernisieren und einsatzbereit zu machen. Doch was herauskommt, ist dürftig. Statt den Streitkräften einen Frühling der Erneuerung zu bescheren, herrsche, so der Wehrbeauftragte Peter Bartels kürzlich, vielerorts immer noch Winter.

          Die ungeliebte Streitkräftebehörde

          Es gebe eine „Diffusion der Verantwortung in einer zersplitterten Zuständigkeitskultur“. So kommt es, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schon zur feierlichen Übergabe einlädt, wenn sie bloß ein paar Nachtsichtgeräte übergibt, wohl wissend, dass Tausende fehlen. Die Streitkräfte warten weiter: auf Panzer, auf Hubschrauber, auf Schiffe. Aber auch auf Millionen Dinge des Alltags. Angeblich waren im vergangenen Jahr mehr als 15.800 kleinere Materialanforderungen aus der Truppe noch nicht einmal bestellt, weil man sich im Koblenzer Amt nun mit Hochtouren den Großprojekten widmet.

          Das Amt hat die zungenbrecherische Abkürzung BAAINBw. Es steht für „Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr“. Die Streitkräftebehörde ist ein Kunstprodukt, das niemand liebt, entstanden aus früheren Sparreformen. Die Gründungsidee bestand darin: In Zeiten schrumpfender Teilstreitkräfte müsse die Beschaffung von Heer, Luftwaffe und Marine aus ihren kleinteiligen Einzelbewirtschaftungen geführt werden.

          Das große Amt sollte der zentrale technische Dienstleister der kleinen Bundeswehr sein. Doch daraus wurde nichts Gutes. Es gibt wenig fröhlichen Zusammenhalt im Haus, aber viel Reformverdruss. Nachwuchs ist am Deutschen Eck Mangelware, zweitausend Stellen unbesetzt. Wer sich dennoch bewirbt, ist selbst schuld und bekommt das bald zu spüren.

          Ergebnis: Zwischen Flensburg und Garmisch flucht jeder Matrose und jeder Gebirgsjäger über Koblenz und jeder Kommandant oder Kommandeur in der Bundeswehr kann ganze Abende mit Beschaffungswitzen füllen. Allerdings wird dabei auch zuweilen vom eigenen Unvermögen abgelenkt, Dinge rechtzeitig zu bestellen, sich um die Lieferung zu kümmern und den fachlichen Kontakt zum Rüstungsamt zu pflegen.

          Auf neuem Kurs und doch gebremst

          Drei grundlegende Veränderungen sollten in der vergangenen Legislaturperiode einen Wandel herbeiführen: mehr Geld, eine hyperenergetische Rüstungsstaatssekretärin und eine große Zahl von Miet-Experten. Ausgestattet mit Milliarden und begleitet von zahlreichen externen Beratern, versuchte die frühere McKinsey-Managerin Katrin Suder, das Koblenz-Amt auf neuen Kurs zu bringen.

          Weitere Themen

          Arm, aber Tesla

          Schlusslicht : Arm, aber Tesla

          Wir finden es richtig gut, dass Tesla sich Deutschland als Standort ausgesucht hat. Ein wenig skeptisch stimmen uns indes zwei andere Meldungen aus dieser Woche.

          Suche nach der Mitte

          Buttigieg in Iowa vorn : Suche nach der Mitte

          Pete Buttigieg liegt in den Umfragen zur demokratischen Vorwahl in Iowa erstmals vorn. Ist er der Hoffnungsträger für die Zentristen oder nur der Aufreger des Monats? In jedem Fall verfügt er über ein gut gefülltes Konto.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.