https://www.faz.net/-gpf-9beki

Kommentar zum Reformationstag : Luther feiern

Hannover: Das Lutherdenkmal an der südlichen rechten Seite des Hauptportals der Marktkirche. Bild: dpa

Auch wenn viele meinen, Luther solle nicht gefeiert werden: Er war groß. Gemessen daran, wer und was heute als wichtig gilt, einer der größten Deutschen. Grund genug für einen Feiertag.

          Es hat einerseits ziemlich profane Gründe, warum nun auch Niedersachsen den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag macht: So hat der Norden, im Vergleich zum Süden, aus Sicht der Politik (nicht der Wirtschaft) zu selten frei. Deshalb waren mehr oder weniger feierliche Tage im Gespräch, die unter den Ländern abgestimmt werden mussten – so viel zur gern beschworenen Eigenstaatlichkeit der Länder.

          Immerhin aber: Ziel des neuen Feiertags ist nach der niedersächsischen Gesetzesbegründung auch, die „Prägung der Gesellschaft durch die Reformation“ bewusst zu machen. In der Tat, diese Prägung gibt es. Sie strahlt bis heute in die ganze Welt. Sprache, Politik, Bildung, Kunst sind von Martin Luthers Wirken maßgeblich beeinflusst.

          Auch wenn er das alles so nicht wusste und wollte, auch wenn er Ansichten seiner Zeit und nicht der heutigen vertrat, auch wenn nun viele betonen, Luther solle auf gar keinen Fall mit dem Reformationstag gefeiert werden: Er war groß. Gemessen daran, wer und was heute als wichtig gilt, einer der größten Deutschen. Grund genug für einen Feiertag.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?

          Was der baltische Weg bewirkt hat

          FAZ Plus Artikel: Vor 30 Jahren : Was der baltische Weg bewirkt hat

          Am 23. August 1989 schlossen sich rund zwei Millionen Demonstranten zu einer 670 Kilometer langen Menschenkette zusammen. In der Erinnerung vieler Litauer spielt der „Baltische Weg“ auch heute noch eine besondere Rolle.

          Topmeldungen

          Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes im brasilianischen Amazonasgebiet.

          Vor G-7-Gipfel : Es brennt

          Werden die Tage in Biarritz vom Bemühen um Geschlossenheit geprägt sein oder von Eklat, Zerwürfnissen und Widerlagern? Fest steht schon jetzt: Der Westen hat gerade nicht seine stärksten Tage.
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Asteroid Ryugu : Poröser Schutthaufen in den Tiefen des Alls

          Der Landesonde „Mascot“ blieben im vergangenen Jahr nur wenige Stunden, um die Oberfläche des Asteroiden „Ryugu“ zu erkunden. Die Zeit reichte, um sich ein Bild von dem urtümlichen Himmelskörper zu machen, wie die nun veröffentlichte Daten und Fotos zeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.