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Airbus A400M : Bundeswehr testet neues Transportflugzeug

Der Airbus A400M auf dem Flughafen in Sevilla Bild: dpa

Die deutsche Luftwaffe hat den ersten von insgesamt 40 Airbus A400M bekommen. Der Testpilot ist begeistert von dem „Atlas“, der eher wie ein „Grizzly“ wirkt. Was das neue Transportflugzeug der alten Transall voraushat.

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          Die ersten Piloten und Techniker der Luftwaffe wissen schon, wie sich ihr neuestes Transportmittel anfühlt: sie haben das erste Exemplar der insgesamt 40 Airbus A400M, die in den nächsten Jahren an die deutschen Streitkräfte  ausgeliefert werden sollen, seit einigen Tagen in der Hand. Auf dem Flugfeld des spanischen Airbus-Werks in Sevilla steht der im Luftwaffengrau lackierte A400M mit der Namensnummer 54+01 und wird der „Erstabnahme“ unterzogen. Das ist eine Serie von Prüfungen, Checks und Einübungen, die der Überführung des Flugzeugs an seinen deutschen
          Stationierungsort vorausgehen. Ende dieses Monats soll der erste deutsche Militär-Airbus an seine Heimatbasis im niedersächsischen Wunstorf überführt werden - zu weiteren Tests und Überprüfungen. Ihnen sollen bald
          Ausbildungsflüge für die erste Riege der Luftwaffenpiloten folgen, die künftig die deutsche A400M-Flotte steuern werden. Die Auslieferung des zweiten Luftwaffen-Exemplars des A400M ist für das kommende Frühjahr geplant.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Für das europäische Luftfahrtunternehmen Airbus ist der A400M zuerst ein Prestigevorhaben, dann ein Objekt des Schreckens gewesen, mittlerweile knüpft das Unternehmen wieder Hoffnungen an sein Produkt. Am Anfang stand vor 20 Jahren der Wunsch einiger europäischer Nationen, unter ihnen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, ein gemeinsames militärisches Transportflugzeug zu bauen, das die in die Jahre gekommene Transall ersetzen, und an Reichweite und Nutzlast weit übertreffen sollte.

          Dann explodierten Wünsche und Kosten, und der Hersteller musste den Kunden erklären, dass die ambitionierte Bestellung zu den ursprünglich geschätzten Kosten nicht zu liefern sei. Doch das an den Rand des Scheiterns geratene Vorhaben geriet anschließend wieder in verläßliche Bahnen - und läuft jetzt stabil genug, dass Airbus kurz vor der Überführung des ersten A400M nach Wunstorf deutsche Journalisten in die Produktionsstätte in Sevilla einlädt, um ihnen die Fähigkeiten des Produkts zu demonstrieren.

          Bei den Franzosen sind die Transporter bereits im Dauereinsatz

          Der Airbus-Testpilot, der die deutsche Maschine vor ein paar Wochen zum ersten Mal in den Himmel über Sevilla gezogen hat, ist auch ein Deutscher: Thomas Wilhelm. Er war zuvor auf der Seite der Bundeswehr als Militärpilot für das Vorhaben zuständig und hat die Entstehung des A400M von den ersten Computerzeichnungen an verfolgt. Trotzdem strahlt Wilhelm sofort in einem jungenhaften Weihnachtslächeln, wenn man ihn im Cockpit des Militär-Airbus
          bittet, die Unterschiede zwischen seinem neuen Arbeitsplatz  und der alten Transall zu beschreiben. „Zwei Generationen“, sagt er, oder: „stellen Sie sich vor, sie haben bisher einen Käfer aus den sechziger Jahren gefahren, und steigen nun in einen neuen VW Golf“.

          Testpilot Thomas Wilhelm im Cockpit des neuen Fliegers

          Der A400M, der nun die  mythologisch naheliegende Typbezeichnung „Atlas“ trägt (obwohl die Airbus-Entwickler ihr Produkt nach seinem gemütlichen, aber robusten äußeren Bild lieber „Grizzly“ genannt hätten), der neue Lastenträger
          also bringt nicht nur doppelt bis dreimal so viele Soldaten oder Transportlasten in seinem Bauch unter, er ist auch leiser und wendiger. Die Maschine startet steil nach weniger als 1000 Metern auf der Startbahn; und während sie sich in den Himmel schraubt, erläutert der Testpilot, dies sei jetzt beim Start ein Anstellwinkel von 19 Grad gewesen, „2 Grad steiler, als es die Transall bei einem ausgesprochenen Kurzstart fertigbrächte“. Dem Atlas mit der deutschen Fahrzeugnummer 54+01 werden nächstes Jahr weitere Exemplare nach Wunstorf folgen. Im Frühjahr soll die nächste Überführung stattfinden, 2015 sollen insgesamt 5 A400M an das Luftwaffentransportgeschwader 62 ausgeliefert werden, in den folgenden Jahren dann soll fast jeden Monat eine neue Maschine kommen. Die ersten Exemplare, die mit einer Selbstschutz-Technik ausgerüstet sind, die feindliche Raketen und Geschosse abwehren kann, werden im
          Jahr 2016 erwartet.

          Im Bauch des Transporters

          Während die Techniker und Ingenieure des deutschen Luftwaffen-Transportgeschwaders momentan lieber keine Prognosen dazu abgeben wollen, wann erstmals ein A400M zu einem militärischen Einsatzflug nach Afghanistan oder Afrika abhebt, haben die Franzosen, die vor 14 Monaten das allererste Serienexemplar des Flugzeugs in Empfang nahmen, darauf eine forsche Antwort gegeben. Sie waren schon vier Monate später mit ihrem Flugzeug in Mali
          und an anderen Einsatzorten; ihre Routenkarte sieht mittlerweile fast aus wie die einer zivilen Fluglinie: mit mittlerweile fünf A400M sind sie nonstop in der Karibik, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Dschibuti gewesen
          und haben (von Irland aus) den Atlantik nach Washington überflogen. Das war kein Einsatzflug, sondern eher eine Leistungsschau.

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