Fremdenfeindlichkeit :
Die üblichen Worthülsen

Tatjana Heid
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Äußerte ihr Entsetzen: Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
Äußerte ihr Entsetzen: Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommerndpa

An einem Wochenende ist es in Mecklenburg-Vorpommern zu mehreren rassistisch motivierten Vorfällen gekommen. In einem Fall wurden zwei ghanaische Mädchen angegriffen. Die Politik reagiert wie meist in solchen Fällen: hilflos.

Zwei Mädchen werden aus einer Gruppe von 20 Personen heraus angegriffen und fremdenfeindlich beleidigt. Auf zwei Stadtfesten werden rassistische Parolen gegrölt. Andernorts versammeln sich Menschen mit freiem Oberkörper und zeigen den Hitlergruß. Das ist die Bilanz von 24 Stunden – allein aus Mecklenburg-Vorpommern. Und die Politik reagiert, wie sie immer reagiert. Mit Abscheu und Entsetzen.

Hass und Missgunst

In der Tat: Brutale Gewalt gegen minderjährige Mädchen, offenbar aufgrund ihrer Hautfarbe, ist abscheulich. Nun heißt es, für Rassismus sei in der Gesellschaft kein Platz. Richtiger wäre: Rassismus soll keinen Platz haben, doch er hat sich längst Platz gemacht. Das zeigen die vielen, kleinen Meldungen ähnlich derer der vergangenen Tage, aber auch das Ergebnis der Europawahl. Die politischen Reaktionen sind lediglich Ausdruck von Hilflosigkeit.

Denn zahlreiche Koalitionen auf allen Ebenen der Politik haben die seit Jahren wachsende Atmosphäre von Hass und Missgunst nicht aufhalten können. Stattdessen treiben Wohnungsnot, Bildungsmissstände, eine verfehlte Gesundheitspolitik und die zu zögerliche Migrationspolitik das Land immer tiefer in die Spaltung. Allerdings: Nur weil sich jemand abgehängt fühlt, muss er nicht zum Fremdenfeind werden. Wer sich nicht vertreten fühlt, muss noch lange nicht Extremisten wählen oder gar gewalttätig werden – das ist unentschuldbar.

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