https://www.faz.net/-gpf-80rnl

Neonazis gegen Bürgermeister : In Tröglitz und anderswo

Alleingelassen und von Rechtsextremisten bedroht: Markus Nierth (CDU) in Tröglitz - jetzt plötzlich als Interviewpartner gefragt. Bild: dpa

Jeder Strommast, der gebaut werden soll, setzt in Deutschland ein basisdemokratisches Brimborium in Gang. Warum nicht auch ein Flüchtlingsheim? Dann läuft es so wie in Tröglitz.

          Jeder Bau eines Strommastes wird in Deutschland mittlerweile von einem basisdemokratischen Brimborium begleitet: Kein Bürger soll das Gefühl haben, er sei nicht beachtet worden. Wenn aber ein Flüchtlingsheim eingerichtet wird, heiß es: Maul halten – wer Einwände hat, ist ein Ausländerfeind!

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Die Not ist groß, deshalb ist es richtig, dass die Verwaltung schnell handelt und Unterkünfte für Flüchtlinge schafft. Aber Landesregierungen, Landkreisen, Gemeinden und vor allem den Verfechtern einer Villa-Kunterbunt-Gesellschaft stünde es gut an, auch hier die „Zivilgesellschaft“ einzubeziehen. Das gilt erst recht, wenn es um eine Bevölkerung geht, die mit Einwanderung bislang wenig bis keine Erfahrung gesammelt hat. Das wiederum gilt besonders in Ostdeutschland und auch für den Ort Tröglitz in Sachsen-Anhalt, wo jetzt ein Bürgermeister zurückgetreten ist, weil er allein gelassen und seine Familie von Neonazis bedroht wurde.

          Die Resignation des Bürgermeisters Markus Nierth (CDU) hat aber nicht nur diese Seite. Es ist eine Resignation davor, überhaupt und nicht nur beim Thema Einwanderung mit seinem Amt alleingelassen zu werden. Von der Verwaltung auf der einen Seite und von Bürgern auf der anderen Seite, die sich engagieren, aber mindestens ebenso gut im Meckern, Nörgeln und Verhindern sind. Die Bereitschaft, in Deutschland ein Amt wie das eines Bürgermeisters zu übernehmen, hat deshalb stark abgenommen. Zumal, wenn es sich um ein Ehrenamt handelt, das allzu oft ein Amt ist, in dem sich der Träger als der Dumme fühlen muss.

          Für Rechtsradikale ist die Überforderung der örtlichen Bevölkerung und deren Repräsentanten ein gefundenes Fressen. Sie schüren das mit allen Kräften. Nicht die übliche Empörung, Bestürzung und nicht die üblichen Ratschläge helfen dagegen – vielmehr sind Bürgerbeteiligung und Anerkennung für Politiker, die an der Front stehen, vonnöten.

          Weitere Themen

          Das ändert sich für Steuerzahler Video-Seite öffnen

          Soli : Das ändert sich für Steuerzahler

          Seit 1991 tragen die deutschen Steuerzahler mit dem Solidaritätszuschlag maßgeblich zur Finanzierung der deutschen Einheit bei. Nach drei Jahrzehnten soll Schluss sein. Bundesfinanzminister Olaf Scholz will den Soli ab 2021 für die allermeisten Steuerzahler streichen.

          Topmeldungen

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Luxusbauten in New York : Ästhetische Abschottung

          Ein Penthouse für 239 Millionen Dollar: Die Wohlhabendsten schauen von immer größeren Höhen auf das Stadtvolk hinab. New York baut jetzt superdünn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.