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Neonazis gegen Bürgermeister : In Tröglitz und anderswo

Alleingelassen und von Rechtsextremisten bedroht: Markus Nierth (CDU) in Tröglitz - jetzt plötzlich als Interviewpartner gefragt. Bild: dpa

Jeder Strommast, der gebaut werden soll, setzt in Deutschland ein basisdemokratisches Brimborium in Gang. Warum nicht auch ein Flüchtlingsheim? Dann läuft es so wie in Tröglitz.

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          Jeder Bau eines Strommastes wird in Deutschland mittlerweile von einem basisdemokratischen Brimborium begleitet: Kein Bürger soll das Gefühl haben, er sei nicht beachtet worden. Wenn aber ein Flüchtlingsheim eingerichtet wird, heiß es: Maul halten – wer Einwände hat, ist ein Ausländerfeind!

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Die Not ist groß, deshalb ist es richtig, dass die Verwaltung schnell handelt und Unterkünfte für Flüchtlinge schafft. Aber Landesregierungen, Landkreisen, Gemeinden und vor allem den Verfechtern einer Villa-Kunterbunt-Gesellschaft stünde es gut an, auch hier die „Zivilgesellschaft“ einzubeziehen. Das gilt erst recht, wenn es um eine Bevölkerung geht, die mit Einwanderung bislang wenig bis keine Erfahrung gesammelt hat. Das wiederum gilt besonders in Ostdeutschland und auch für den Ort Tröglitz in Sachsen-Anhalt, wo jetzt ein Bürgermeister zurückgetreten ist, weil er allein gelassen und seine Familie von Neonazis bedroht wurde.

          Die Resignation des Bürgermeisters Markus Nierth (CDU) hat aber nicht nur diese Seite. Es ist eine Resignation davor, überhaupt und nicht nur beim Thema Einwanderung mit seinem Amt alleingelassen zu werden. Von der Verwaltung auf der einen Seite und von Bürgern auf der anderen Seite, die sich engagieren, aber mindestens ebenso gut im Meckern, Nörgeln und Verhindern sind. Die Bereitschaft, in Deutschland ein Amt wie das eines Bürgermeisters zu übernehmen, hat deshalb stark abgenommen. Zumal, wenn es sich um ein Ehrenamt handelt, das allzu oft ein Amt ist, in dem sich der Träger als der Dumme fühlen muss.

          Für Rechtsradikale ist die Überforderung der örtlichen Bevölkerung und deren Repräsentanten ein gefundenes Fressen. Sie schüren das mit allen Kräften. Nicht die übliche Empörung, Bestürzung und nicht die üblichen Ratschläge helfen dagegen – vielmehr sind Bürgerbeteiligung und Anerkennung für Politiker, die an der Front stehen, vonnöten.

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