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Gefangenenaustausch : Gilad Schalit zu Hause

Israels Ministerpräsident Netanjahu begrüßt Gilat Schalit nach dessen Freilassung. Bild: dapd

Der israelische Soldat Gilad Schalit ist nach seiner Freilassung in seinem Heimatort im Norden Israels eingetroffen. Im Gegenzug übergab Israel 477 palästinensische Gefangene an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.

          Der israelische Soldat Gilad Schalit ist am Dienstag nach fünf Jahren und vier Monaten Geiselhaft im Gazastreifen in seinen Heimatort im Norden Israels zurückgekehrt. Er war an Bord eines Militärhubschraubers vom Luftwaffenstützpunkt Tel Nov bis in den Norden des Landes geflogen worden. Am Morgen hatte die Hamas den sichtlich geschwächt wirkenden Israeli ägyptischen Vermittlern übergeben, die ihn nach Israel brachten. Im Austausch für Schalit ließ Israel in einem ersten Schritt 477 palästinensische Häftlinge frei; in einem zweiten Schritt sollen in gut einem Monat 550 weitere inhaftierte Palästinenser freikommen.

          Gilad Schalit spricht kurz nach seiner Freilassung am Telefon mit seinen Eltern
          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der israelische Ministerpräsident Netanjahu sagte, an diesem Tag seien „alle Israelis in Freude und Leid geeint“. Er begrüßte Schalit auf dem Luftwaffenstützpunkt Tel Nof, wo der Soldat auch seine Familie wiedersah. Angehörige von Terroropfern hatten bis zuletzt versucht, den Austausch zu verhindern. Staatspräsident Peres ließ mitteilen, er habe die Begnadigungsurkunden „schweren Herzens“ unterzeichnet.

          In einem kurzen Interview sagte Schalit im ägyptischen Fernsehen, er habe die Hoffnung auf seine Freilassung nie aufgegeben. Seit etwa einer Woche habe er gewusst, dass das Ende seiner Gefangenschaft bevorstehe. Schalit war blass und musste zum Teil gestützt werden. Nach Angaben eines Militärsprechers weist er Zeichen von Unterernährung auf und war offenbar selten dem Tageslicht ausgesetzt, wie erste Untersuchungen ergaben.

          In Gaza und Ramallah versammelten sich Tausende Palästinenser, um die Rückkehr der Häftlinge zu feiern. Hamas-Ministerpräsident Hanija hieß die Freigelassenen am Gaza-Übergang in Rafah willkommen. Hamas-Politbürochef Meschal wollte die vierzig Häftlinge zum Flughafen von Kairo begleiten, die von dort aus ins Exil gehen sollen. Die Türkei, Qatar und Syrien hatten sich bereit erklärt, sie aufzunehmen. Militante Palästinenser drohten damit, weitere Israelis zu entführen.

          Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Erleichterung auf das Ende der Geiselnahme. Der französische Präsident Sarkozy sagte, Schalits Freilassung sei eine „ungeheure Erleichterung für Frankreich“. Schalit, der auch die französische Staatsbürgerschaft hat, werde bald in Paris erwartet. Die amerikanische Außenministerin Clinton sagte, sie sei froh, dass die „lange Prüfung“ Schalits zu Ende sei. 

          Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich erfreut über die Heimkehr Schalits und lobte die ägyptischen Vermittler. In Jerusalem trafen Staatspräsident Peres und Ministerpräsident Netanjahu mit dem BND-Vermittler Gerhard Conrad zusammen und dankten ihm und der Bundesregierung für ihre Unterstützung.

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