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Fall Schavan : Ewiger Makel?

Wegen des Umgangs der Universität Düsseldorf mit der Doktorarbeit von Annette Schavan sagt Bundestagspräsident Lammert eine Festrede an der Hochschule ab.

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          Es gilt im Universitätsbetrieb offenbar schon als mutig und preiswürdig, die Doktorarbeit der Bundesbildungsministerin unbeirrt zu prüfen. Und womöglich ist es das auch – denn obwohl Professoren ihrem Status nach ziemlich unabhängig sein könnten, sind sie es öfter leider nicht. Da segelt man lieber im Wind. Kritikwürdig am Fall Schavan war ohnehin nicht das Verfahren als solches (Indiskretionen gehören nicht dazu) oder das Ergebnis.

          Es stellte sich aber die durchaus rechtsstaatliche Frage, ob man nach mehr als drei Jahrzehnten, also nach Ablauf der Verjährungsfrist für Totschlag, einen akademischen Grad, der hier zugleich der Studienabschluss war, überhaupt noch entziehen können sollte. Zumal auch die positive Entscheidung einer Fakultät es nicht ausschließt, dass die Arbeit jederzeit wieder unter die Lupe genommen wird. Der öffentliche Makel der dürftigen Dissertation ist ohnehin nicht leicht zu tilgen. Bundestagspräsident Lammert hält die Sache jetzt durch seine Absage an die Düsseldorfer Fakultät weiter am Kochen – zu viel der Ehre für die junge Botschafterin.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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