Spanien : Harte Jahre
Dafür, dass Spaniens Präsident seinem Volk keine ökonomischen Märchen auftischt, hat er Zuspruch verdient.
Zeichnete man ein Bild von der Lage Spaniens, man müsste düstere Farben wählen: Die Arbeitslosigkeit ist niederschmetternd hoch; die Wirtschaft, die viel weniger Substanz hat, als man im Schein der goldenen Jahre glauben wollte, schrumpft weiter; und das Haushaltsdefizit ist trotz Sparens noch immer viel zu hoch. Auf der Regierung Rajoy lastet somit ein ungeheurer Druck, den Konsolidierungskurs aufzugeben. Diesen Kurs will sie beibehalten, sie will „nur“ die Fristen verlängern: Erst 2016 soll die Obergrenze bei der Neuverschuldung wieder unterschritten werden.
Prekär ist die Lage Rajoys, weil er nicht damit rechnet, dass ein Wirtschaftsaufschwung auf den Arbeitsmarkt durchschlagen würde: Wenn er sich zur Wiederwahl stellt, werden mehr Spanier arbeitslos sein als beim Sieg der Volkspartei im November 2011; schon damals war der Unmut in der Bevölkerung groß. Dafür, dass Rajoy keine Strohfeuer entzünden will, dass er den Leuten keine ökonomischen Märchen auftischt, hat er Zuspruch verdient. Ob die Wähler, denen die Gegenwart wie eine Heimsuchung vorkommt, das genauso sehen?



