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Erdogan-Auftritt : Schauplatz Köln

Erdogan, der von seinen Anhängern als „großer Meister“ verehrt wird, spricht am Freitag vor Anhängern in Ankara mit Rückendeckung durch sich selbst und Atatürk. Bild: AFP

Erdogan hat neulich Gaucks Äußerungen in der Türkei kritisiert. Der türkische Ministerpräsident sollte selbst verantwortungsvoll damit umgehen, dass er Gast in Deutschland ist.

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          Man kann nur hoffen, dass der türkische Ministerpräsident Erdogan die Mahnungen nicht in den Wind schlägt, bei seinem Auftritt an diesem Samstag in Köln, am Abend vor der Europawahl, einen gemäßigten Ton anzuschlagen. Sensibilität wäre keine staatsmännische Zumutung, sondern notwendig. Doch nach überhaupt nicht mitfühlenden Einlassungen nach dem Grubenunglück in Soma – und nach den abgewiesenen Bitten, den Besuch abzusagen – muss man damit rechnen, dass Erdogan einen trotzigen, kämpferischen Ton zwischen Opferrolle und Heldentum anschlagen wird.

          Der Ministerpräsident will, selbst wenn das noch nicht offiziell ist, Präsident der Türkei werden; im August wird gewählt, und an dieser Wahl dürfen auch Auslandstürken teilnehmen. Um deren Stimmen geht es. Soweit, so gut – hoffentlich.

          Auch nach der Wir-Rede des Bundespräsidenten Gauck ist es zumindest eine Frage wert, ob eine Stadt am Rhein zum Schau- und Kampfplatz eines türkischen Wahlkampfs werden muss, bei dem ein Großaufgebot der Polizei verhindern muss, dass sich Zehntausende Gegner und Anhänger Erdogans zu nahe kommen. (Es mag für manche in der Führung in Ankara wie Majestätsbeleidigung wirken, aber in Deutschland darf, auf zivile Art und mit Auflagen, gegen ausländische Gäste demonstriert werden.)

          Dass sich die Atmosphäre rund um den Auftritt so aufgeladen hat, ist vor allem Folge der Politik und des Stils Erdogans, der in den vergangenen Wochen und Monaten immer autoritärer geworden ist. Diese Entwicklung stimmt viele besorgt. Erdogan hat neulich Gaucks Äußerungen in der Türkei kritisiert; er sollte selbst verantwortungsvoll damit umgehen, dass er Gast in Deutschland ist.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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