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Bedrohte Demokratien : Lateinamerika im Griff der starken Männer

Die designierte kolumbianische Vizepräsidentin Francia Marquez mit dem designierten Präsidenten Gustavo Petro am 23. Juni Bild: Reuters

Korruption und Ungleichheit machen Lateinamerika auch politisch immer instabiler. Viele zweifeln nicht mehr nur an ihren Regierungen. Sondern an der Demokratie überhaupt.

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          Kolumbien hat sich für einen Richtungswechsel entschieden. Mit Gustavo Petro wird erstmals ein Linker das Land regieren. Nun beginne „eine neue Geschichte“, sagte Petro am Wahlabend. Wo er das Land hinführen wird, ist schwer abzusehen. Petro hat den Kolumbianern Sozialprogramme, kostenlose Universitäten, eine Landreform, die Abkehr von der Öl­wirtschaft und mehr versprochen. Ökonomen sind skeptisch. Die von Petro als „Regime der Korruption“ bezeichnete Elite zittert. Denn sie ist in dieser Wahl untergegangen. Ihre Kandidaten hatten es nicht einmal in die Stichwahl ge­schafft.

          Es ist in Lateinamerika einfach, mit dem Versprechen des Wandels und des Kampfes gegen das „Establishment“ Stimmen zu holen, wie die letzten Wahlen auch in anderen Ländern der Region gezeigt haben. Korruption, Armut und Ungleichheit sind weiter die größten Pro­bleme. Der Reichtum konzentriert sich auf eine kleine Oberschicht, die schon immer großen Einfluss auf die Politik hatte. In vielen Ländern haben sich bis heute quasi feudale Strukturen gehalten. Reichtum und Macht und die damit verbundenen Privilegien werden vererbt. Wer einen armen Vater hat, bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit arm – und umgekehrt.

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