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Philadelphias Trauma : Die Stadt, die sich selbst bombardierte

  • -Aktualisiert am

Mit aller Gewalt: Die Osage Avenue in Philadelphia nach der Bombardierung durch die Polizei Bild: Getty

„Black Lives Matter“ hat viel in Bewegung gebracht. Erstmals hat die Stadt Philadelphia nun um Entschuldigung gebeten: dafür, dass ihre Polizei 1985 das Haus schwarzer Öko-Radikaler bombardierte.

          7 Min.

          Explosionen, Rauch, Hilfeschreie. Auf der Osage Avenue im Westen von Philadelphia sieht es am 13. Mai 1985 aus wie im Krieg. Hilflos sehen Hunderte Anwohner zu, wie ihre Häuser abbrennen. Das Feuer greift von einem Gebäude aufs andere über. Ein Reporter des Senders WCAU kommentiert die Szene live: „Wenn dort jemand stand, dann ist klar, dass er das nicht überlebt haben kann!“ Schnell wird klar: Das war ein Luftangriff. Die Stadt hat am späten Nachmittag ihre eigenen Bürger bombardiert. Aus einem Polizeihubschrauber.

          Ziel war das Haus Nummer 6221, Hauptquartier von „Move“, einer schwarzen Aktivisten-Gruppe. In den Augen der Stadt waren sie Terroristen. Die Polizisten wollten das Haus zuvor räumen, mehrere Haftbefehle vollstrecken. Die Bewohner verschanzten sich. Polizei und Aktivisten schossen aufeinander. Schließlich setzte der Polizeichef auf maximale Eskalation. Dreizehn Menschen waren im Haus, als eine oder mehrere Bomben fielen, das ist bis heute nicht ganz klar. Nur eine Frau und ein Junge können sich retten, schwer verletzt. Unter den elf Bewohnern, die in den Flammen umkommen, sind fünf Kinder.

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