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Versöhnung mit Namibia : Warum Herero und Nama unzufrieden sind

Das dünn besiedelte Namibia war eine deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 ermordeten deutsche Kolonialtruppen Zehntausende Nama und Herero. Bild: Getty

Sechs Jahre haben Deutschland und Namibia über ein Versöhnungsabkommen verhandelt. Nun liegt ein Angebot vor. Doch jetzt sind viele erst recht empört.

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          Marvin Katunohange ist ein freundlich lächelnder Mann. Bis vor Kurzem arbeitete er als Küster für die deutsche Kirche in Windhoek, sammelte die Kollekte ein, bereitete die Gottesdienste vor. Nur wenige Besucher aber dürften die Bedeutung seines Nachnamens gekannt haben: „Katunohange“ heißt aus der Sprache der Herero übersetzt „Wir sind nicht zufrieden“.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Der Name ist eine Untertreibung dessen, was viele Angehörige seiner Volksgruppe derzeit empfinden. Vor zwei Wochen hatte die deutsche Bundesregierung nach sechs Jahre langen Verhandlungen ein Angebot für ein Versöhnungsabkommen vorgelegt. Darin geht es um die Aufarbeitung der Ermordung Zehntausender Nama und Herero durch deutsche Kolonialtruppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika zwischen 1904 und 1908. Neben der Anerkennung der Taten als Genozid und einer Entschuldigung des Bundespräsidenten sollen 1,1 Milliarden Euro über dreißig Jahre hinweg in Entwicklungsprojekte fließen, und zwar in Regionen, in denen viele Herero und Nama leben.

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