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Rolle von Sprache und Religion : Warum ein neues Schulgesetz Spanien spaltet

Kundgebung gegen die Reform des Bildungsgesetzes am 19. November 2020 in Madrid Bild: dpa

Kirche, Opposition und Eltern ziehen in Spanien gegen die geplante Reform des Schulgesetzes auf die Straße. Sie sehen darin einen Angriff auf die nationale Identität. Am Sonntag sind in 30 Städten Proteste geplant.

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          In Spanien mobilisieren Eltern und Opposition gegen die Reform des Schulgesetzes, die im Parlament gerade die wichtigste Hürde genommen hat – mit einer Stimme Mehrheit in der ersten Lesung. Für Sonntag ist zu Protesten in 30 spanischen Städten aufgerufen. Mehr als eineinhalb Millionen Unterschriften wurden schon gesammelt. Wenn es um Bildung, Sprache und die Religion geht, brechen in Spanien alte Fronten auf, und das Land zeigt sich gespalten.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der Gesetzentwurf der Linkskoalition schaffte es jetzt, die zerstrittene rechte Opposition zu einen. Im Parlament protestierten Abgeordnete von PP, Vox und Ciudadanos mit dem Ruf „Freiheit, Freiheit“ minutenlang gegen den Plan der sozialistischen Bildungsministerin Isabel Celaá. Das neue Gesetz sei „autoritär“ und „stalinistisch“.

          Die heftige Kritik an der Reform, mit der die Regierung für mehr Chancengleichheit sorgen will, entzündet sich an mehreren Punkten. Vor allem geht es aber um die spanische Sprache, die nach Ansicht der Gegner des Gesetzes ihre Vorrangstellung im Unterricht zu verlieren droht. Erst vor sieben Jahren hatte die konservative PP mit absoluter Mehrheit Spanisch zur wichtigsten „Vehikularsprache“ an den Schulen erhoben – auch in autonomen Regionen wie Katalonien, wo Katalanisch ebenfalls als offizielle Regionalsprache anerkannt ist. Künftig soll es den Regionalregierungen überlassen bleiben, welchen Anteil welche Sprache haben wird.

          An den staatlichen Schulen in Katalonien ist die „Inmersión lingüística“, das Eintauchen in die katalanische Sprache, gesetzlich vorgeschrieben. Auf Katalanisch werden praktisch alle Fächer unterrichtet. Es gibt nur wenige Stunden für den Unterricht in spanischer Sprache und Literatur. Dabei sprechen im Alltag in Katalonien mehr als 50 Prozent Spanisch, das fast so viele als ihre Identitätssprache bezeichnen.

          Sollen die Separatisten besänftigt werden?

          Das bisher geltende Gesetz führte nicht dazu, dass an katalanischen Schulen mehr Spanisch unterrichtet wurde. Die von den Separatisten geführte Regionalregierung ignorierte mehrere Urteile des Obersten Gerichtshofs Kataloniens und des Verfassungsgerichts, der spanischen Eltern das Recht zusprach, dass ihre Kinder mindestens ein Viertel des Unterrichts auf Spanisch erhalten. Die Opposition wirft der Regierung vor, sie wolle mit der Reform des Schulgesetzes die separatistische katalanische ERC-Partei dazu bringen, für den neuen Staatshaushalt zu stimmen.

          Der zweite Streitpunkt sind die „Colegios Concertados“. Das sind Privatschulen, die zum Teil vom Staat finanziert werden. Ein Großteil von ihnen ist in katholischer Trägerschaft. Die Regierung will die staatlichen Schulen als „Wirbelsäule“ des Bildungssystems stärker fördern, weil die privaten Schulen nach ihrer Meinung zu wenig Schüler aus sozial schwachen Familien und Migranten aufnehmen.

          Auch die Kirche ist aufgebracht

          So sollen die „Colegios Concertados“ weniger öffentliche Mittel und keine kostenlosen kommunalen Grundstücke mehr für Neubauten erhalten. Schulen mit Geschlechtertrennung in den Klassenzimmern soll die staatliche Finanzierung komplett gestrichen werden. Ein Viertel aller spanischen Schüler gehen auf die öffentlich bezuschussten Privatschulen.

          Die katholische Kirche ist zudem aufgebracht, dass der Religionsunterricht an Bedeutung verlieren soll. Er zählt künftig nicht mehr bei der Abschlussnote und bei der Bewerbung um Stipendien. Die von der PP geführten Regionalregierungen drohen damit, die Reform nicht zu verwirklichen.

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