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Bolivien : Mit der Bibel gegen Morales

Luis Fernando Camacho spricht im November vor seinen Anhängern in La Paz. Bild: Reuters

Luis Fernando Camacho organisierte Proteste gegen Boliviens Präsidenten Evo Morales. Jetzt will der Unternehmer, der gerne mit Bibel auftritt, dessen Nachfolger werden.

          6 Min.

          Am 10. November betrat Luis Fernando Camacho den alten Präsidentenpalast in La Paz. Bei sich trug er die bolivianische Nationalflagge, eine selbstformulierte Rücktrittserklärung für Präsident Evo Morales und die Bibel. In der Eingangshalle legte Camacho die Flagge auf den Boden, kniete nieder und schlug die Bibel auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte Morales La Paz bereits verlassen. Er saß im Flugzeug, das ihn in die Provinz Chapare flog. Die Polizei, mehrere Gewerkschaften und zuletzt auch die Armee hatten sich gegen Morales gestellt, nachdem ihm die Manipulation der Präsidentenwahl drei Wochen zuvor nachgewiesen worden war. Kurz nach seiner Ankunft in Chapare erklärte Morales dann seinen Rücktritt. Damit hatte Camacho sein erstes Ziel erreicht. Nun strebt er selbst das Amt des Präsidenten an.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Bis vor kurzem war Camacho noch ein politisch unbeschriebenes Blatt. Doch als sich der Verdacht des Wahlbetrugs nach der Präsidentenwahl am 20. Oktober immer mehr erhärtete, kam seine Stunde. Der 40 Jahre alte Unternehmer nutzte seine Position als Präsident des Bürgerkomitees von Santa Cruz und mobilisierte die Bevölkerung des wohlhabenden wirtschaftlichen Zentrums im bolivianischen Tiefland. Tausende versammelten sich unter der großen Christusstatue von Santa Cruz. Dieser Ort war bewusst gewählt. Camacho ist streng katholisch. Oft hält er einen Rosenkranz in der Hand, wenn er Reden hält. Auch an diesem Abend appellierte er an den Glauben, um Bolivien aus der „Tyrannei“ von Morales zu befreien. Dann setzte er seinen Plan in Gang und rief einen Streik aus. „Keine Ameise wird sich rühren in Santa Cruz“, rief er der Menge zu. Seit Jahren schien die Bevölkerung von Santa Cruz auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Am nächsten Tag war die Stadt lahmgelegt. Weitere Städte sollten dem Beispiel folgen.

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