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Lateinamerika in Unruhe : Die Macht der Generäle

Vom Militär zum Rücktritt gedrängt: Boliviens früherer Präsident Evo Morales (links) Bild: AFP

Brennende Barrikaden, fliehende Präsidenten und Ausnahmezustand: Soziale Unruhen haben Lateinamerika 2019 geprägt. Das Militär greift wieder wie einst in die Politik ein – und genießt das Vertrauen vieler Bürger.

          3 Min.

          Bilder von brennenden Barrikaden, von Tränengas und Gummischrot gegen Demonstranten prägen den Jahresrückblick in Lateinamerika. Die sozialen Proteste haben verschiedene Länder des Halb-Kontinents aufgewühlt und verändert. Sie zeigen die Unzufriedenheit der Lateinamerikaner mit den Zuständen in ihren Ländern, mit der anhaltenden Ungerechtigkeit, der Korruption, der Gewalt und der Ineffizienz des Staates. Gleichzeitig hat sich in diesen turbulenten Monaten noch etwas anderes gezeigt: In Lateinamerika hängt der Machterhalt wieder – oder immer noch – von der Loyalität der Armee ab.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Als die oppositionelle Mehrheit im peruanischen Kongress Anfang Oktober den Rücktritt von Präsident Martín Vizcarra forderte, zeigte sich dieser demonstrativ mit den Generälen der Streitkräfte und dem obersten Polizeikommandanten im Fernsehen. Seine Botschaft: Ich bin weiter im Amt. Eine Woche später tat es ihm der ecuadorianische Präsident Lenín Moreno gleich, als in seinem Land Unruhen wegen einer Benzinpreiserhöhung ausbrachen und er den Ausnahmezustand ausrief. Das Bild wiederholte sich in Chile, wo Präsident Sebastián Piñera zum ersten Mal seit der Militärdiktatur die Soldaten auf die Straßen der Hauptstadt Santiago schickte und eine Ausgangssperre verhängte. Und in Bolivien gingen die Generäle noch einen Schritt weiter. Als sich der Vorwurf des Wahlbetrugs erhärtete, machte die Armeespitze den letzten Schritt und empfahl Präsident Evo Morales den Rücktritt. Dieses Eingreifen kann als Staatsstreich ausgelegt werden. Viele Bolivianer sahen es hingegen als Verhinderung einer Diktatur.

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