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Bolivien : Kandidatenflut vor Präsidentschaftswahl

  • -Aktualisiert am

Die bolivianische Übergangspräsidentin Jeanine Añez spricht im Regierungspalast in La Paz. Bild: EPA

Boliviens Übergangspräsidentin Jeanine Añez will nun doch Präsidentin werden. Sie ist bereits die fünfte Kandidatin der Opposition für die Neuwahlen im Mai. Davon könnte die Partei des ehemaligen Präsidenten Evo Morales profitieren.

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          Die bolivianische Übergangspräsidentin Jeanine Añez hat sich entgegen früherer Aussagen entschlossen, zur Präsidentenwahl am 3. Mai anzutreten. Noch bis vor kurzem hatte Añez, die nach dem forcierten Rücktritt des früheren Präsidenten Evo Morales im November am die Regierung kam, eine Kandidatur ausgeschlossen. Auch im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Añez, dass ihre Kandidatur nicht zur Diskussion stehe. „Diese Regierung ist vorübergehend und hat die Aufgabe, transparente Neuwahlen zu ermöglichen. Ich bin lediglich ein Instrument.“

          Doch ihre guten Umfragewerte haben Añez nun dazu verleitet, ihr Wort zu brechen und die Wahl anzustreben. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken waren heftig. Viele Bolivianer sind enttäuscht über die Kandidatur. Wer einmal sein Wort breche, der tue es wieder, lautet die Kritik. Andere loben den Schritt von Añez.

          Añez ist eine weitere Kandidatin in einem bereits sehr breiten Bewerberfeld. Während die Morales-Partei „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) mit dem früheren Wirtschaftsminister Luis Arce Catacora lediglich einen Kandidaten aufstellt, schafft es die Opposition nicht, sich hinter einer Kandidatur zu Bündeln. Ganz im Gegenteil: Neben Añez treten die beiden früheren Präsidenten Carlos Mesa und Jorge Quiroga ebenfalls zur Wahl an. Mesa war bereits in der als ungültig erklärten Wahl im vergangenen Oktober angetreten und hinter Morales auf dem zweiten Platz gelandet.

          MAS trotz interner Machtkämpfe in aussichtsreicher Position

          Ein weiterer Kandidat ist der rechtskonservative Luis Fernando Camacho, der die Widerstandsbewegung anführte, die zum Sturz von Morales führte. Zudem tritt auch der Unternehmer Samuel Doria Medina an, der im Oktober auf eine Kandidatur verzichtet hatte, um Mesa zu unterstützen. Hinter den Kandidaturen stecken auch parteipolitische Interessen, denn gleichzeitig werden am 3. Mai auch Kongresswahlen abgehalten. Der Erfolg der Parteien hängt maßgeblich vom Abschneiden ihrer Präsidentschaftskandidaten ab. 

          Von der Zersplitterung der Opposition profitiert die MAS. Für einen Sieg im ersten Wahlgang sind vierzig Prozent der Stimmen und eine Differenz von zehn Prozentpunkten zum Zweitplatzierten nötig. Da sich die Oppositionskandidaten die Stimmen streitig machen, dürfte keiner von ihnen auch nur auf dreißig Prozent kommen.

          Allerdings macht die MAS, die weiterhin die mit Abstand wählerstärkste Partei Boliviens ist, seit dem Rücktritt von Morales einen desolaten Eindruck. Interne Gräben sind aufgebrochen und Machtkämpfe ausgebrochen. Nicht alle sind zufrieden mit dem von Morales auserlesenen Kandidaten, gerade auch die indigenen Basisorganisationen und Gewerkschaften.

          Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich in den Reihen der MAS noch vor der Eingabefrist der Kandidaturen eine „Sprengkandidatur“ formiert. Der Gouverneur des Departements La Paz, der aus dem Volk der Aymara stammende Felix Patzi, dürfte sich unter diesen Voraussetzungen mit seiner Partei „Drittes System“ eine Kandidatur überlegen, was vor allem der MAS Stimmen kosten würde.

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