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Kampf gegen Corona : Spanien bleibt hart

Maximale Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus in Madrid Bild: AFP

Das Parlament verlängert die Ausgangsbeschränkungen, die bis in den Mai dauern könnten. Die Zahl der Infizierten und der Toten, schätzen Experten, könnte auch in Spanien weit höher sein als die offiziellen Zahlen vermuten lassen.

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          In Spanien ist keine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in Sicht. Das Parlament beschloss am Donnerstagabend, sie bis zum 26. April zu verlängern; die Restriktionen gehören zu den strengsten in der westlichen Welt und sind schon seit fast vier Wochen in Kraft. Die Pandemie komme allmählich unter Kontrolle, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Donnerstag: „Wir haben den Höhepunkt der Infektionen erreicht und überwunden. Wir stehen kurz vor dem Beginn des Abstiegs.“ Die Rückkehr zum Alltag werde nur schrittweise und in Abstimmung mit den Wissenschaftlern beginnen. „Wir können nicht wissen, welche Art von Normalität wir wiederherstellen werden“, gestand Sánchez vor dem Plenum des Parlaments, in dem nur wenige Abgeordnete saßen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Während Länder wie Österreich und Dänemark schon konkrete Erleichterungen planen, wollte der spanische Regierungschef sich nicht festlegen - nicht einmal, ob die Angestellten nicht lebensnotwendiger Firmen nächste Woche wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren dürfen. „Ich bin überzeugt davon, dass ich in zwei Wochen wieder hier stehen werden, um um die Verlängerung des Alarmzustandes zu bitten“, sagte der Regierungschef, dem die konservative Opposition im Parlament Versagen vorwarf. Die konservative Volkspartei (PP) die rechtsliberale Ciudadanos-Partei sowie mehrere kleinere Fraktionen stimmten am Donnerstagabend dem Antrag von Sánchez‘ Linkskoalition zu, die Ausgangsbeschränkungen vorerst bis zum 26. April zu verlängern. Die rechtspopulistische Vox-Partei und die radikale CUP-Partei lehnten ihn ab; mehrere separatistische Parteien enthielten sich.

          Die spanische Regierung plant zunächst, sich mit einer groß angelegten Studie einen Überblick darüber verschaffen, wie weit das Coronavirus verbreitet und wie groß jener Anteil der Spanier ist, die schon immun sind. Erst danach will man in Madrid über das weitere Vorgehen entscheiden. In den nächsten Wochen sollen zu diesem Zweck mehr als 60.000 Menschen im ganzen Land getestet werden. Unter Fachleuten besteht Konsens darüber, dass es deutlich mehr als die 152.000 Infizierten gibt, die das Gesundheitsministerium am Donnerstag meldete.

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          Laut einer mathematischen Modellrechnung des Imperial College könnten es bis zu 15 Prozent der Bevölkerung – etwa sieben Millionen Menschen – sein. Bisher geht in Spanien die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen und der Toten nur langsam zurück. In den vergangenen 24 Stunden starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 683 Menschen an den Folgen des Coronavirus; am Mittwoch waren es 757. Bei den nachgewiesenen Neuinfektionen (5765 neue Fälle) wie bei den Patienten in den Intensivstationen ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

          Mehr als 15.000 Menschen kamen in Spanien an den Folgen des Coronavirus ums Leben; nur in Italien sind es mehr. Aber die Zahl der Toten könnte in Wirklichkeit fast doppelt so hoch sein, vermutet die Zeitung „El Mundo“ unter Berufung auf Fachleute. Denn in Spanien werden praktisch nur die in den Krankenhäusern positiv getesteten Corona-Toten in die offizielle Statistik  aufgenommen. Im ganzen Land hatte jedoch die Zahl der ungeklärten Todesfälle in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Das gilt besonders für die Altersheime. Die allermeisten dort Verstorbenen bleiben bisher in der Corona-Statistik unberücksichtigt. So wurde in der Region von Madrid in den vergangenen vier Wochen bei gut 781 Heimbewohnern der Erreger nachgewiesen.

          „Ich bin überzeugt davon, dass ich in zwei Wochen wieder hier stehen werden, um um die Verlängerung des Alarmzustandes zu bitten“: Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez

          Zugleich wurden mehr als 3700 Todesfälle von Bewohnern mit Corona-Symptomen registriert, die aber nicht in der Statistik des Gesundheitsministeriums auftauchen. Statt 5600 wären dann allein in Madrid mehr als 9000 Corona-Tote zu beklagen. Ähnlich ist die Lage in vielen anderen Regionen. Spanien könnte daher sogar Italien übertreffen, das bisher mit 17.000 Toten die meisten auf der Welt meldet. 

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