https://www.faz.net/-gpf-90ics

Schlange stehen für Mogherini : Selfies werden in Iran zur Blamage

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Parlamentarier und Fans haben die EU-Außenbeauftragte bei ihrem Besuch in Iran umlagert. Eine Blamage, finden nationale Medien. Nun reagieren die ersten Abgeordneten auf den Tadel.

          1 Min.

          Mit einem eleganten Auftritt hat EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini die Abgeordneten in Irans Parlament betört. Die Volksvertreter standen Schlange, um Selfies mit der Italienerin zu schießen – und zogen sich dafür scharfen Tadel in Presse und in sozialen Medien der Islamischen Republik zu. Der Vorfall dominierte am Montag die Titelseiten der iranischen Zeitungen.

          Die unverhohlene Ehrerbietung für Mogherini sei eine „Blamage“ für Iran gewesen, schrieb ein Nutzer im Kurznachrichtendienst Twitter. Ein anderer fühlte sich an Schneewittchen und die sieben Zwerge erinnert. Unter dem Hashtag „Selfie-Erniedrigung“ liefen viele empörte Nutzer sozialer Medien Sturm. Mindestens ein Abgeordneter entschuldigte sich für sein Verhalten.

          In Iran gilt eine strikte Trennung der Geschlechter in der Öffentlichkeit. Die ultrakonservative Tageszeitung „Kaihan“ kanzelte die Abgeordneten ab: „Ausgerechnet diejenigen, die die Rechte der Nation gegen die Feinde verteidigen sollen, stehen Schlange, um sich auf erniedrigende Weise mit den Gegnern ablichten zu lassen.“

          Die reformorientierte Zeitung „Ghanun“ druckte eine Karikatur der Szene im Plenum des Parlaments und beklagte, der Vorfall belege „einen Mangel an angemessener Bildung im Lande“.

          Mit einem elegant um Kopf und Schultern geworfenen Schal war Mogherini am Samstag ins iranische Parlament gekommen, um der Vereidigung des wiedergewählten Präsidenten Hassan Ruhani beizuwohnen. Viele Abgeordnete reihten sich bald ein, um sich mit der EU-Vertreterin fotografieren zu lassen. Andere beugten sich über ihre Pulte, um einen guten Schnappschuss von ihr zu erhaschen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Joachim Löw darf Bundestrainer bleiben.

          Krise des DFB-Teams : Rätselhaftes Vertrauen in Löw

          Es erstaunt, wie selbstgewiss das DFB-Präsidium seiner offenbar unantastbaren Bundestrainer-Institution einen Wandel im Handumdrehen zutraut. Scheitert Joachim Löw wieder, ist auch die Führung des Verbandes gescheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.