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30 Jahre Tiananmen-Aufstand : Verordnetes Vergessen

Der Mann mit dem Megaphon: Wu’er Kaixi bei den Studentenprotesten in Peking Bild: Getty

1989 beendete das Regime in China die Protestaktion einer Studentenbewegung auf dem Tiananmen-Platz mit Gewalt. Seitdem ist das Thema ein nationales Tabu – das die Regierung mit strikter Zensur durchsetzt.

          7 Min.

          Womöglich wäre Chinas Geschichte anders verlaufen, wenn an jenem Tag der Kameramann des Staatsfernsehens am rechten Platz gewesen wäre. Es war der 14. Mai 1989. Eine Delegation der Studentenbewegung vom Tiananmen-Platz traf mit Vertretern der Parteiführung zusammen. Die Studenten forderten eine Live-Übertragung der Gespräche. „Wir wissen immer noch nicht genau, was passiert ist“, sagt Wu’er Kaixi, der damals einer der prominentesten Studentenführer war. Der Chef der Einheitsfront der Partei habe den Kameramann gesucht, aber einfach nicht finden können. „Wer hat das angeordnet?“, fragt sich Wu’er Kaixi bis heute.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Jedenfalls brachen die Studenten aus Protest die Gespräche ab, weil sie, anders als vereinbart, nicht auf den Tiananmen-Platz übertragen wurden. Aus Sicht Wu’er Kaixis war es ein Schlüsselmoment. „Es war der Zeitpunkt, an dem die Bewegung ihren Höhepunkt erreicht hatte. Wir waren nur noch Zentimeter von einem echten Erfolg entfernt“, glaubt er. „Von dem Tag an wusste ich, dass wir nicht mehr gewinnen konnten.“ Das war fast drei Wochen, bevor in der Nacht zum 4. Juni die Panzer auf den Tiananmen-Platz rollten und Soldaten in den umliegenden Straßen wahllos auf Studenten, Arbeiter, aufgebrachte Anwohner und unbeteiligte Passanten schossen.

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