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Nach tödlichem Messerangriff : Premierminister Johnson besucht Tatort

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Der Polizeichef von Essex, B. J. Harrington, Labour-Chef Keir Starmer, Premierminister Boris Johnson, Unterhauspräsident Lindsay Hoyle und Innenministerin Priti Patel (von links nach rechts) besuchen am Samstag den Ort, an dem sich die tödliche Messerattacke auf den Abgeordneten David Amess ereignet hat. Bild: Reuters

Die Ermittler gehen von einem terroristischen Hintergrund für die tödliche Attacke auf den Abgeordneten David Amess aus. Eine Verbindung zum islamistischen Extremismus wird untersucht. Der Fall löst eine Debatte über die Sicherheit von Politikern aus.

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          Der britische Premierminister Boris Johnson hat am Samstag den Tatort des tödlichen Messerangriffs auf den konservativen Abgeordneten David Amess besucht. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der Premier und Parteichef der Konservativen einen Kranz an der Kirche niederlegte, die am Freitag zum Schauplatz des Messerangriffs auf Amess geworden war. Begleitet wurde er vom Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei, der ebenfalls einen Kranz niederlegte. Anschließend standen die beiden Politiker einige Zeit schweigend nebeneinander. Auch Innenministerin Priti Patel und Unterhaussprecher Lindsay Hoyle legten Kränze nieder. Patel hatte eine umgehende Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen für Abgeordnete angeordnet.

          Amess war am Freitag während einer Bürgersprechstunde in seinem Wahlkreis in der Grafschaft Essex von einem Angreifer erstochen worden. Ein 25 Jahre alter Mann wurde wegen Mordverdachts festgenommen. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Tat einen terroristischen Hintergrund hat. Erste Untersuchungen hätten „eine mögliche Motivation in Verbindung zu islamistischem Extremismus“ ergeben, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus. Wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll es sich bei dem Verdächtigen um einen Briten mit somalischer Herkunft handeln.

          Debatte über Sicherheit von Politikern

          Der Fall sorgte im ganzen Land für große Betroffenheit und löste eine Debatte über die Sicherheit von Politikern aus. Amess’ Parteifreund Tobias Ellwood, der für seinen beherzten Erste-Hilfe-Einsatz nach einem terroristischen Angriff auf das Parlament im Jahr 2017 bekannt geworden war, forderte am Samstag die Einstellung physischer Treffen von Angeordneten mit Bürgern, bis eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen durch das Innenministerium abgeschlossen sei.

          Der Sprecher des Unterhauses Hoyle mahnte eine Debatte über die Sicherheit von Politikern an. Es sei aber „essenziell“, dass die Abgeordneten ihre Beziehung zu den Bürgern aufrechterhalten könnten, sagte Hoyle in der BBC am Freitagabend. Er selbst habe daher seine Sprechstunde selbst nach dem Attentat auf Amess abgehalten. „Wir müssen sicherstellen, dass die Demokratie das überlebt“, so Hoyle weiter.

          Britische Abgeordnete, die alle direkt in ihrem Wahlkreis gewählt werden, bieten regelmäßig Sprechstunden mit Bürgern an, die auch kurzfristig besucht werden können. Die sogenannten „surgeries“ werden gewöhnlich einmal pro Woche abgehalten und gelten als wichtiger Bestandteil der demokratischen Kultur in Großbritannien. Auch die Labour-Abgeordnete Jo Cox war 2016 bei einer Bürgersprechstunde von einem Rechtsextremisten ermordet worden. Das Attentat ereignete sich nur wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum.

          Amess hinterlässt eine Frau und fünf Kinder. Der Katholik aus einer Arbeiterfamilie galt als erzkonservativer Brexit-Befürworter, der sich gegen das Recht auf Abtreibung und für Tierrechte einsetzte. Er war auch ein entschiedener Gegner der Fuchsjagd. Amess saß seit 1983 für die Tories im britischen Parlament, zuerst für den Wahlkreis Basildon, später für Southend West.

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