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Algerien : Armee fordert Strafverfolgung der Elite

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Der militärische Befehlshaber der Streitkräfte, Gaed Salah, nimmt an einer Militärparade in Algeriens Hauptstadt Algier teil. Bild: dpa

Armeechef Ahmed Gaed Salah will Mitglieder der noch amtierenden Führung für Vergehen wie Korruption zur Verantwortung ziehen. Er bezeichnet die Elite des Landes als „Gang“.

          Algeriens Armee übernimmt im derzeitigen Umbruch in dem nordafrikanischen Land abermals eine entscheidende Rolle. Armeechef Ahmed Gaed Salah sprach sich am Mittwoch dafür aus, dass sich Mitglieder der noch amtierenden Führung des Landes juristisch für mögliche Vergehen wie Korruption verantworten sollen. „Die Armee kommt den Forderungen des Volkes nach“, sagte er vor Offizieren und Soldaten. Die Justiz habe ihr Vorrecht zurückbekommen und könne frei handeln.

          Salah bezeichnete, wie die Demonstranten, die Elite des Landes als „Gang“. Der Begriff steht für Mitglieder der Regierungspartei Nationale Befreiungsfront, reiche Geschäftsleute und Veteranen des Unabhängigkeitskrieges von Frankreich von 1954 bis 1962, auf deren Unterstützung der bisherige Präsident Abdelaziz Bouteflika während seiner 20 Jahre langen Amtszeit zählen konnte. Nach wochenlangen Protesten trat der 82 Jahre alte Bouteflika Anfang April zurück.

          Das Militär griff wiederholt in die Politik ein. Es kündigte zudem an, die Übergangsphase in dem nordafrikanischen Land zu „begleiten“. Das Militär werde die Vorbereitungen zur Präsidentenwahl kritisch überwachen, sagte Armeechef Salah am Mittwoch.

          Zuletzt entzog Salah Bouteflika kurz vor dessen Rücktritt die Unterstützung und stellte sich hinter die Demonstranten. Sie fordern einen tiefgreifenden Wandel in Algerien. Der vom Parlament ernannte Übergangspräsident Abdelkader Bensalah stellte freie Wahlen in Aussicht, die innerhalb von 90 Tagen organisiert werden sollen. Das Innenministerium ließ Informationen des Fernsehsenders Ennahar TV zufolge zehn neue Parteien zu.

          In der Hauptstadt Algier gingen am Mittwoch wieder Tausende Menschen auf die Straße, um gegen Übergangspräsident Bensalah zu protestieren. Die Demonstranten sehen in ihm einen alten Weggefährten Bouteflikas und Vertreter des Regimes, dessen Sturz sie fordern.

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