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Weltdokumentenerbe : Bilder, die uns allen etwas sagen

Es gibt nicht viele Fotos aus der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 von der Bornholmer Straße. Und es gibt nur einen Film davon, den von Georg Mascolo Bild: Andreas Schoelzel

Die Unesco hat Zeugnisse zu Bau und Fall der Berliner Mauer ins Weltdokumentenerbe aufgenommen. Der „Spiegel TV“-Film von Georg Mascolo zählt dazu. Er befindet sich in bester Gesellschaft.

          4 Min.

          Die Mauer ist weg, seit zweiundzwanzig Jahren. Und besteht doch weiter. Nicht nur in Köpfen wie dem der Linkenparteichefin Gesine Lötzsch, die den Bau der Mauer nicht für Made in East Germany hält, sondern für ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs. Die Mauer besteht auch weiter in Dokumenten, die ihren Bau, ihre menschenverachtende Geschichte und ihren Fall dokumentieren. Die Unesco sorgt dafür, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen. Sie hat in diesem Sommer - weithin unbemerkt - unter dem Titel „Bau und Fall der Berliner Mauer und der Zwei-plus-vier-Vertrag“ vierzehn Dokumente in Text, Bild und Ton in den Bestand des Weltdokumentenerbes aufgenommen, darunter Fernsehbilder, die Geschichte ins Gedächtnis bannen - vom 13. August 1961, als die Grenze befestigt wurde, vom qualvollen Tod des von Grenzern erschossenen Flüchtlings Peter Fechter am 17. August 1962 bis hin zu den Aufnahmen eines Teams von „Spiegel TV“ am Grenzübergang Bornholmer Straße, an dem in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 Tausende vom Osten in den Westen strömten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Diese Bilder gehören nun zum Weltdokumentenerbe, das sich der Frage verschrieben hat, an was sich die Menschheit erinnern soll. Seit 1992 gibt es das Unesco-Register „Memory of the World“, es umfasst inzwischen 238 Dokumentensammlungen und macht sie zugänglich (www.unesco.org/webworld/mow). Zwei Vorschläge zur Aufnahme in diese Register hatte das deutsche Nominierungskomitee gemacht - das Motorwagenpatent Nummer 1 von Carl Friedrich Benz und das Konvolut „Bau und Fall der Berliner Mauer“. Beide Vorschläge wurden angenommen.

          In Beethovens Gesellschaft

          So zählen zum Weltdokumentenerbe nun auch Fotos und Filme aus den sechziger Jahren, die das Deutsche Rundfunkarchiv, das Landesarchiv Berlin, das Staatsarchiv Hamburg und der Rundfunk Berlin-Brandenburg betreuen. Das berühmte Foto „Sprung in die Freiheit“ zählt dazu, das zeigt, wie der Grenzsoldat Conrad Schumann am 15. August 1961 über den Stacheldraht springt, eine knapp einminütige Filmaufnahme, die bezeugt, wie der verblutete Peter Fechter weggetragen wird, John F. Kennedys Berliner Rede vom 26. Juni 1963, Ronald Reagans Rede vor dem Brandenburger Tor am 12. Juni 1987, Schabowskis Versprecher-Pressekonferenz vom 9. November 1989, in der er den freien Reiseverkehr verkündet (“Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich ...“), der Zwei-plus-vier-Vertrag und eben die Bilder von der Bornholmer Straße aus der Nacht, in der die Mauer die Deutschen in Ost und West nicht mehr trennte. Aufgenommen von einem Team von „Spiegel TV“, gesendet bei RTL, während im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Fußballspiel lief.

          „Spiegel”-Chefredakteur Georg Mascolo

          „Ich freue mich. Beethovens Neunte, die Gutenberg-Bibel und Goethes literarischer Nachlass sind keine schlechte Gesellschaft“, sagt der „Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo, der damals als Reporter von „Spiegel TV“ die Aufnahmen drehte. Von einer guten Gesellschaft wird man sprechen dürfen, zählen zum Weltdokumentenerbe doch die Magna Charta, die Gutenberg-Bibel, das älteste noch erhaltene Manuskript des Korans „Mushaf von Othman“ aus Usbekistan, der Azteken-Codex in Mexiko, die Schlussakte des Wiener Kongresses, die Kolonialarchive Benins, Senegals und Tansanias, die Archive des Warschauer Gettos, die einundzwanzig Thesen der Solidarnosc, Beethovens Neunte, Goethes Gesamtwerk, das Ingmar-Bergman-Archiv, das Nibelungenlied, die Märchensammlung der Brüder Grimm, um nur einige zu nennen.

          Das größte Reporterglück

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