Saviano über Deutschland : Zu Gast bei Freunden

Wer die Verbreitung krimineller Vereinigungen untersucht, dem muss Deutschland wie das gelobte Land vorkommen: Italienische Verbrecherorganisationen konnten hier lange unbehelligt ihre Strukturen aufbauen.
Von den sechziger bis zu den achtziger Jahren haben die Cosa Nostra, Camorra und ’ndrangheta immer engere Kontakte zu Deutschland geknüpft, doch erst mit dem Fall der Mauer ist diese Entwicklung irreversibel geworden. Angezogen von den neuen Arbeitsmöglichkeiten, kamen viele Ausländer nach Deutschland, und vor allem die ehemalige DDR wurde zum idealen Ort, um Geld zu waschen und wieder zu investieren. Ein Eldorado für Mafiaorganisationen, die mit den Erträgen ihrer illegalen Aktivitäten Immobilien in der ehemaligen DDR erwarben. Alles, was aus Stein gebaut war, konnte gekauft werden: Restaurants, Pizzerien, Bars, Diskotheken und Wohnungen, all das diente dazu, Geld zu waschen und neue Einkünfte zu rechtfertigen. Vor den kriminellen Vereinigungen lag eine freie Autobahn, die direkt zur großen Immobilien- und Finanzspekulation in den ostdeutschen Bundesländern führte.
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