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Saviano über Deutschland : Zu Gast bei Freunden

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche nach der ’ndrangehta – Razzia in Pulheim im Dezember 2018 Bild: EPA

Wer die Verbreitung krimineller Vereinigungen untersucht, dem muss Deutschland wie das gelobte Land vorkommen: Italienische Verbrecherorganisationen konnten hier lange unbehelligt ihre Strukturen aufbauen.

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          Von den sechziger bis zu den achtziger Jahren haben die Cosa Nostra, Camorra und ’ndrangheta immer engere Kontakte zu Deutschland geknüpft, doch erst mit dem Fall der Mauer ist diese Entwicklung irreversibel geworden. Angezogen von den neuen Arbeitsmöglichkeiten, kamen viele Ausländer nach Deutschland, und vor allem die ehemalige DDR wurde zum idealen Ort, um Geld zu waschen und wieder zu investieren. Ein Eldorado für Mafiaorganisationen, die mit den Erträgen ihrer illegalen Aktivitäten Immobilien in der ehemaligen DDR erwarben. Alles, was aus Stein gebaut war, konnte gekauft werden: Restaurants, Pizzerien, Bars, Diskotheken und Wohnungen, all das diente dazu, Geld zu waschen und neue Einkünfte zu rechtfertigen. Vor den kriminellen Vereinigungen lag eine freie Autobahn, die direkt zur großen Immobilien- und Finanzspekulation in den ostdeutschen Bundesländern führte.

          In Telefonaten, die 1989 unmittelbar nach dem Mauerfall abgehört wurden, befehlen Bosse der Cosa Nostra und der ’ndrangheta ihren in Deutschland stationierten Leuten, nach Berlin zu gehen. „Alles kaufen!“, so lautete die Order aus Süditalien nach Berlin. Gleichzeitig war Berlin das Eingangstor für die Mafiaorganisationen des Ostens, die nach dem Mauerfall mit ihrer Expansion in den Westen begannen. Doch während das organisierte Verbrechen sich auf dem von Grenzen befreiten europäischen Schachbrett bewegte und internationale, supranationale Dimensionen annahm, blieben die Polizeikräfte und die Rechtssysteme der Europäischen Union innerhalb ihrer Grenzen gefangen.

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