De Coubertins Idee : Wie olympisch sind die Olympischen Spiele?

Die Antike gilt als Vorbild, nach dem Pierre de Coubertin 1896 die Olympischen Spiele der Neuzeit begründete. Aber die Absichten und Ideale des Franzosen speisten sich aus anderen Quellen.
In der Antike zählte nur der Sieger. Die Olympischen Spiele waren ein Fest zu Ehren des Zeus. Nur die siegreichen Athleten durften mit Aufmerksamkeit rechnen. Dann wurde ihr Name in Stein gemeißelt, möglicherweise sogar eine Statue von ihnen aufgestellt. Wer aber verlor, der fiel dem Vergessen anheim oder sah sich sogar geächtet, weil er Schande über die Polis brachte, die ihn nach Olympia entsandt hatte. Mancher, der mit großen Hoffnungen nach Olympia gekommen war, sich aber schon im Training ausrechnen konnte, dass er am Ende leer ausgehen würde, trat gar nicht erst zum Wettkampf an, so dass es verschiedentlich zu sogenannten „staublosen Siegen“ kam. Nichts wäre für die Beteiligten befremdlicher gewesen als das Motto „Dabeisein ist alles“. Hätte der französische Baron Pierre de Coubertin (1863-1937) sich diese Merkmale der olympischen agone vergegenwärtigt, als er die „Wiedergeburt“ der antiken Spiele plante, hätte er möglicherweise von der Idee gleich wieder Abstand genommen. Coubertins Nichtwissen war, so gesehen, eine Voraussetzung seiner Initiative.





