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CDU Main-Kinzig : Tauber und die Kaninchenjagd

Tauber auf dem CDU-Parteitag im Main-Kinzig-Kreis: „Ich bin ein Mensch, ich mache Fehler“ Bild: dpa

Seit mehr als einer Woche wird Peter Tauber attackiert. Die Vorwürfe kommen aus der Berliner CDU, aber vor allem aus seinem hessischen Wahlkreis. Eine Spurensuche.

          Peter Tauber wird seit mehr als einer Woche als Kaninchenjäger dargestellt. Seitdem steht der Generalsekretär der CDU im Schussfeld. Immer wieder werden neue Vorwürfe erhoben, neue Papiere durchgesteckt. Wen er als „Arschloch“ bezeichnet, mit wem er eine Affäre gehabt, wie er über weiblichen Parteinachwuchs geredet haben soll. Wer nach den Anfängen dieser schmutzigen Geschichte sucht, landet schnell in Taubers Kreisverband im tiefsten Hessen.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          In einem Kreisverband prallen Hoffnungen aufeinander und unterschiedlich ausgeprägte Talente. Hier steht man zusammen, hier kann man sich nicht aus dem Weg gehen. Im Kreisverband wird nichts vergessen. Hier beginnen politische Karrieren, manchmal werden sie zerstört. Der Boden der Parteiendemokratie ist nicht selten ein Sumpf. Taubers Kreisverband drückt sich an Frankfurts Speckgürtel. Vor Jahren hat Tauber die CDU Main-Kinzig angeführt. Hier hat er den Sprung in den Bundestag geschafft, und nun, da er Generalsekretär seiner Partei ist, droht ihm von hier Unheil. Es sind Vorwürfe, die schwer zu beweisen sind und schwer zu widerlegen, Papiere ohne Unterschriften. Es gibt viele Menschen, die etwas erzählen, und nur wenige, die sich mit dem Gesagten zitieren lassen wollen. Aber wie immer wird etwas haften bleiben. Mobbing, Sexismus. Tage der Unruhe.

          Am vergangenen Freitagabend sitzt Tauber in der Mehrzweckhalle von Bruchköbel vor den gut zweihundert Delegierten seines Kreisverbands. Mann und Frau haben sich feingemacht, das schwere Parfüm mischt sich mit dem Dunst der Wurstbrötchen. Ein paar junge CDU-Mitglieder streifen aufgekratzt durch die Masse der Alten. An der Wand Wappen der Vereine: Landfrauenverein, Obst- und Gartenbauverein. Die CDU Main-Kinzig will einen Kandidaten für die Landratswahl bestimmen. Das würde außerhalb des Main-Kinzig-Kreises niemanden interessieren, wenn nicht Tauber angekündigt hätte, zur Basis zu sprechen. Zum ersten Mal, seit die Vorwürfe gegen ihn laut geworden sind. Tauber wird freundlich begrüßt. Eine Hand an der Schulter, ein Lächeln, ein Nicken. Dennoch wirkt er gezeichnet. Er ist blass, sitzt auf seinem Platz, knetet die Hände, blättert sein Redemanuskript durch und blickt abwesend hoch zum Redepult.

          Ein scharfer Wind

          Der Kreisvorsitzende Johannes Heger eröffnet den Abend: „Mobbing hat und wird keinen Platz in der CDU Main-Kinzig haben.“ Applaus. Der zweite Redner ist Michael Boddenberg, CDU-Fraktionsvorsitzender im Hessischen Landtag. Er sagt – „Lieber Peter, ich sag das einfach mal“ –, Tauber mache das gut, immer wieder habe er die richtigen Botschaften in das Land gesandt. Dann ist Tauber an der Reihe. Er geht auf die Bühne. „In den vergangenen Tagen ist viel über uns, die CDU Main-Kinzig, auch über mich geschrieben worden“, sagt er. Pause. „Und keine Frage: Zur Politik gehört, dass einem der Wind manchmal scharf ins Gesicht bläst.“ Aber woher?

          Die Geschichte kann man im Jahr 1999 beginnen. Damals wurde Anne Höhne-Weigl Kreisgeschäftsführerin der CDU im Main-Kinzig-Kreis. Sie war 49 Jahre alt und, so schilderte es die Lokalpresse, in den „Reihen der hiesigen Christdemokraten“ schon „lange keine Unbekannte mehr“. Höhne-Weigl war unter anderem Kreisvorsitzende der Frauen-Union und Fraktionssprecherin der Nidderauer CDU.

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