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Messerattacke : Aufruhr in der polnischen Provinz

Ein Mann wirft Steine auf das Dönerlokal, vor dem sich die Tat ereignete. Auch weitere Läden des Betreibers wurden angegriffen. Bild: dpa

In der Silvesternacht kommt es im polnischen Masuren zu einer tödlichen Messerstecherei. Der Täter stammt aus Tunesien. Das löst Krawalle aus – aber auch Debatten in Bevölkerung und Politik.

          Fast zweitausendmal musste in der Silvesternacht die Feuerwehr in Polen ausrücken; es gab 34 Verletzte und drei Todesfälle. Doch nur über einen Fall wurde anschließend heftig diskutiert: In der Stadt Elk in Masuren, zu deutscher Zeit als Lyck bekannt, kam es zu einer Auseinandersetzung in und vor einem Döner-Restaurant. Am Ende zückte ein aus Tunesien stammender, 26 Jahre alter Mann ein Messer und stach zweimal zu. Das Opfer, ein 21 Jahre alter Pole mit Vornamen Daniel, erlag wenig später seinen Verletzungen.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Es gibt nicht viele Muslime in Polen. Alteingesessene Tataren und aus Russland geflohene Tschetschenen sind die größten Gruppen, Schätzungen sprechen insgesamt von höchstens 25.000 Muslimen. Daran gemessen gibt es im Land inzwischen recht viele und offenbar auch recht beliebte Dönerbuden. Auch im hintersten Masuren, auch in der 60.000 Einwohner zählenden Stadt Elk, die deutschen Lesern vor allem als die Heimatstadt des Autors Siegfried Lenz aus „So zärtlich war Suleyken“ bekannt sein dürfte.

          Handgemenge mit tödlichen Folgen

          Heute liegt Elk etwa 50 Kilometer südlich der Grenze zur russischen Exklave, dem Kaliningrader Gebiet. Eine seenreiche, strukturschwache Region, die sehr davon profitiert hatte, als vor einigen Jahren Russland und Polen einen kleinen Grenzverkehr vereinbart hatten: Zu Tausenden kamen russische Kunden in die Läden. Allerdings hat die polnische Regierung den visafreien Grenzverkehr im Juli vergangenen Jahres – trotz Protesten in der Region – aus nicht näher benannten Sicherheitsgründen ausgesetzt.

          Das „Prince Kebab“ ist eines der Dönerlokale in der Region. Die Betreiber des erst vor wenigen Monaten eröffneten Restaurants waren aus Tunesien und Algerien gekommen. Die Ereignisse der Silvesternacht sahen laut polnischen Behörden und Medien folgendermaßen aus: Daniel (vorbestraft wegen Raubes) geriet beim Bezahlen im Lokal mit dem Tunesier (nicht vorbestraft) in Streit. Daraus wurde vor dem Lokal ein Handgemenge, bei dem ein Messer gezückt wurde. Anschließend warf ein Begleiter des Getöteten einen Böller in das Lokal.

          Verschiedene Restaurants attackiert

          Der mutmaßliche Täter mit dem Messer wurde festgenommen. Am darauf folgenden Sonntag versammelten sich mehrere hundert Menschen aus Protest gegen den Todesfall in dieser Straße. Dabei wurden das Restaurant und ein weiteres Lokal dieser Betreiber attackiert, es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Pfefferspray einsetzte. Junge Männer bewarfen die Beamten mit Gegenständen, zwei von ihnen wurden dabei leicht verletzt. 28 der Randalierer wurden festgenommen.

          Der beliebte Elker Bürgermeister Tomasz Andrukiewicz sagte: „Was hier geschehen ist, hat seinen Grund in der Migranten gegenüber feindlichen Stimmung in ganz Europa, mit dem, was los ist, mit Terror und Anschlägen.“ Ein liberaler Philosoph schrieb in seinem Blog, der in Polen grassierende „Antiislamismus“ sei schuld an den Zwischenfällen.

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