Home
http://www.faz.net/-gpc-74f36
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

CDU Baden-Württemberg Revolte gegen Siegfried Kauder

Das einzige Geschwisterpaar im Bundestag wird getrennt. Siegfried Kauder hat sich mit großen Teilen seiner CDU im Schwarzwald überworfen und bekommt dafür die Quittung. Strahlender Sieger ist ein Hoffnungsträger der CDU in Baden-Württemberg.

© dpa Siegfried Kauder (noch CDU)

Siegfried Kauder hat den Kampf verloren. Wenige Tage vor seinem 62. Geburtstag verweigerte ihm seine Partei die Gefolgschaft im Wettbewerb um eine erneute Bundestagskandidatur. Der langjährige CDU-Abgeordnete aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und Bruder von Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder darf nicht wieder antreten. Zur Wahl im nächsten Jahr setzt die CDU nach einer monatelangen Schlammschlacht auf den jungen Thorsten Frei - und eben nicht auf Siegfried Kauder, der seit 2002 im Bundestag sitzt und dort Vorsitzender des wichtigen Rechtsausschusses ist.

In der Stadthalle der Kleinstadt Bräunlingen kommt es am späten Freitagabend zum Duell zwischen Kauder und seinem Widersacher. Frei, der 39 Jahre alte Oberbürgermeister von Donaueschingen und stellvertretende Vorsitzende der Südwest-CDU, will Kauders Job. Und die große Mehrheit der Delegierten schlägt sich auf seine Seite. Frei erhält 68,6 Prozent der Stimmen, Kauder nur 31,4 Prozent. Die CDU dominiert den Wahlkreis, das Direktmandat ist Frei so gut wie sicher.

CDU-Nominierungsparteitag Schwarzwald-Baar/Kinzigtal © dpa Vergrößern Beim CDU-Nominierungsparteitag des Wahlkreises Schwarzwald-Baar/Kinzigtal wurde der Kandidat für die Bundestagswahl 2013 gewählt

Als das Ergebnis verkündet wird, ist Kauder schon nicht mehr da. Er verlässt den Saal, kurz bevor der Sieg seines Kontrahenten öffentlich wird. Keine Worte mehr an seine Parteifreunde, keine Gratulation für den Nachfolger.

Das einzige Geschwisterpaar im Bundestag

Siegfried Kauder bildet mit seinem Bruder Volker das einzige Geschwisterpaar im Bundestag - es wird nun bald getrennt sein. In seinem Wahlkreis war es zuletzt einsam geworden um den Juristen, der im Berliner Politbetrieb Ansehen genießt. Die Basis nimmt ihm so manche Eigenmächtigkeit übel. Die Kritik: Kauder beantworte keine Briefe oder E-Mails, er habe sich mit langjährigen Mitarbeitern überworfen und finde keine Nähe mehr zu Parteifreunden vor Ort.

CDU-Nominierungsparteitag Schwarzwald-Baar/Kinzigtal © dpa Vergrößern Der lächelnde Sieger: Thorsten Frei versammelte 68,6 Prozent der Stimmen auf sich

In Bräunlingen versucht es Kauder zum letzten Mal. Er räumt einzelne Fehler ein, sieht sich in der Bilanz jedoch als guten Abgeordneten. Seinen Widersacher erwähnt er mit keinem Wort - auch wenn er Giftpfeile schießt. Im Gegensatz zu anderen sei er nicht „stromlinienförmig“ und rede „niemandem nach dem Mund“, sagt Kauder, ohne Frei namentlich zu nennen. Auch dieser hält es so. In Freis Rede fällt der Name Kauder kein einziges Mal.

Teufel: Thorsten Frei ist politisches Talent

Im Publikum sitzt Erwin Teufel. Baden-Württembergs früherer CDU-Ministerpräsident ist mit dem Versuch gescheitert, zwischen den verfeindeten Gruppen zu vermitteln. Nun gehe es um Geschlossenheit, sagt der 73-Jährige, der die Region 34 Jahre im Landtag vertreten hat. „Thorsten Frei ist ein großes politisches Talent“, sagt Teufel. „Wir sollten nun aber nicht den Fehler machen, die Leistungen des Abgeordneten Kauder im Nachhinein kleinzureden.“

Fraktionssitzung - CDU/CSU © dpa Vergrößern Der Bruder Volker Kauder ist Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Frei möchte bis zur Wahl im Herbst 2013 Oberbürgermeister bleiben, den Posten als Landes-Vize seiner Partei will er auch als Abgeordneter behalten. Mit Freis Abgang nach Berlin geht der Südwest-CDU, die Wahlniederlagen verschmerzen musste und nur wenig Spitzenpersonal aufweisen kann, eine Führungsreserve verloren. Die Landtagswahl 2015 sei für ihn mit Blick auf die eigene Karriere kein Thema, sagt Frei. Kauder spielt in den Planungen der Partei keine Rolle mehr. Die CDU sucht nun einen neuen Kreisvorsitzenden - mit einer erneuten Kandidatur Kauders wird nicht gerechnet.

Quelle: dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Drittes Hilfspaket für Hellas Eine Frage des Gewissens

Abgeordnete des Deutschen Bundestags sind nur ihrem Gewissen verpflichtet. Aber was ist überhaupt ein Gewissen? Und darf es auch eine Rolle spielen, wenn es um die Milliardenhilfen für Griechenland geht? Mehr Von Ralph Bollmann, Berlin

18.08.2015, 12:52 Uhr | Wirtschaft
Kauder und Oppermann Schützenhilfe für Wolfgang Schäuble

Die griechische Regierung in Athen hatte dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble beleidigende Äußerungen gegenüber seinem griechischen Amtskollegen Giannis Varoufakis vorgeworfen. Volker Kauder, Fraktionschef der Union im Bundestag, und der Fraktionsvorsitzende der SPD, Thomas Oppermann, springen dem deutschen Finanzminister nun zur Seite. Mehr

18.03.2015, 12:20 Uhr | Politik
Hilfspaket für Griechenland Unionspolitiker kritisieren Populismus à la carte

Vor der Abstimmung im Bundestag über die neuen Griechenland-Hilfen bemüht sich die Union um Geschlossenheit. Den Nein-Sagern weht ein scharfer Wind ins Gesicht: Sie wollten in ihren Wahlkreisen bloß die Helden spielen, lautet die Kritik. Mehr Von Peter Carstens und Thomas Gutschker

16.08.2015, 08:33 Uhr | Politik
113 Gegenstimmen Bundestag stimmt drittem Griechenland-Hilfspaket zu

Der Bundestag hat sich mit großer Mehrheit hinter weitere Milliardenkredite für Griechenland gestellt. 63 Abgeordnete der Union votierten gegen das dritte Hilfspaket. Damit folgten einschließlich der drei Enthaltungen insgesamt 66 Abgeordnete nicht dem Kurs von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Mehr

19.08.2015, 16:09 Uhr | Politik
Drittes Hilfspaket für Hellas Merkel hat keinen Zweifel, dass der IWF mitmacht

Die Kanzlerin gibt sich sicher: Der Internationale Währungsfonds werde sich auch am dritten Hilfspaket für Griechenland finanziell beteiligen. Auch zur Disziplin in ihrer Fraktion nimmt sie im Fernsehen Stellung. Mehr

16.08.2015, 17:41 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 17.11.2012, 13:37 Uhr

Jugendliche wissen zu wenig über Wirtschaft

Von Lisa Becker

Wie funktioniert die Börse? Was sind Aktien? Darüber müssen Schüler mehr erfahren. So lernen sie auch mit eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen verantwortungsvoller umzugehen. Mehr 21 15

Trockenmauern Locker und nicht leicht gestapelt

Eine Mauer ohne Mörtel - geht das? Trockenmauern aus Sandstein sind einfach gemacht und bestechen durch ihren rauhen Charme. Mehr Von Jörg Niendorf 8 15

App für Golfer Besser Golfen mit dem iPhone

Die elektronische Analyse des Golfspiels wie im Profisport ist auch den Amateuren möglich. Die dazu verwendeten Apps und Sensoren werden immer besser. Mehr Von Wolfgang Scheffler 3 2

Großkanzleien im Abwärtstrend Juristen wollen weniger Zeit im Büro verbringen

Lange galten sie als die Streber unter den Arbeitnehmern. Doch mehr und mehr Nachwuchsjuristen wollen auch Zeit für Freunde und Familie haben. Großkanzleien rutschen deshalb auf der Beliebtheitsskala weiter ab. Es lockt der Staatsdienst. Mehr Von Leonie Heim 4 7