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Veröffentlicht: 17.11.2012, 13:37 Uhr

CDU Baden-Württemberg Revolte gegen Siegfried Kauder

Das einzige Geschwisterpaar im Bundestag wird getrennt. Siegfried Kauder hat sich mit großen Teilen seiner CDU im Schwarzwald überworfen und bekommt dafür die Quittung. Strahlender Sieger ist ein Hoffnungsträger der CDU in Baden-Württemberg.

© dpa Siegfried Kauder (noch CDU)

Siegfried Kauder hat den Kampf verloren. Wenige Tage vor seinem 62. Geburtstag verweigerte ihm seine Partei die Gefolgschaft im Wettbewerb um eine erneute Bundestagskandidatur. Der langjährige CDU-Abgeordnete aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und Bruder von Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder darf nicht wieder antreten. Zur Wahl im nächsten Jahr setzt die CDU nach einer monatelangen Schlammschlacht auf den jungen Thorsten Frei - und eben nicht auf Siegfried Kauder, der seit 2002 im Bundestag sitzt und dort Vorsitzender des wichtigen Rechtsausschusses ist.

In der Stadthalle der Kleinstadt Bräunlingen kommt es am späten Freitagabend zum Duell zwischen Kauder und seinem Widersacher. Frei, der 39 Jahre alte Oberbürgermeister von Donaueschingen und stellvertretende Vorsitzende der Südwest-CDU, will Kauders Job. Und die große Mehrheit der Delegierten schlägt sich auf seine Seite. Frei erhält 68,6 Prozent der Stimmen, Kauder nur 31,4 Prozent. Die CDU dominiert den Wahlkreis, das Direktmandat ist Frei so gut wie sicher.

CDU-Nominierungsparteitag Schwarzwald-Baar/Kinzigtal © dpa Vergrößern Beim CDU-Nominierungsparteitag des Wahlkreises Schwarzwald-Baar/Kinzigtal wurde der Kandidat für die Bundestagswahl 2013 gewählt

Als das Ergebnis verkündet wird, ist Kauder schon nicht mehr da. Er verlässt den Saal, kurz bevor der Sieg seines Kontrahenten öffentlich wird. Keine Worte mehr an seine Parteifreunde, keine Gratulation für den Nachfolger.

Das einzige Geschwisterpaar im Bundestag

Siegfried Kauder bildet mit seinem Bruder Volker das einzige Geschwisterpaar im Bundestag - es wird nun bald getrennt sein. In seinem Wahlkreis war es zuletzt einsam geworden um den Juristen, der im Berliner Politbetrieb Ansehen genießt. Die Basis nimmt ihm so manche Eigenmächtigkeit übel. Die Kritik: Kauder beantworte keine Briefe oder E-Mails, er habe sich mit langjährigen Mitarbeitern überworfen und finde keine Nähe mehr zu Parteifreunden vor Ort.

CDU-Nominierungsparteitag Schwarzwald-Baar/Kinzigtal © dpa Vergrößern Der lächelnde Sieger: Thorsten Frei versammelte 68,6 Prozent der Stimmen auf sich

In Bräunlingen versucht es Kauder zum letzten Mal. Er räumt einzelne Fehler ein, sieht sich in der Bilanz jedoch als guten Abgeordneten. Seinen Widersacher erwähnt er mit keinem Wort - auch wenn er Giftpfeile schießt. Im Gegensatz zu anderen sei er nicht „stromlinienförmig“ und rede „niemandem nach dem Mund“, sagt Kauder, ohne Frei namentlich zu nennen. Auch dieser hält es so. In Freis Rede fällt der Name Kauder kein einziges Mal.

Teufel: Thorsten Frei ist politisches Talent

Im Publikum sitzt Erwin Teufel. Baden-Württembergs früherer CDU-Ministerpräsident ist mit dem Versuch gescheitert, zwischen den verfeindeten Gruppen zu vermitteln. Nun gehe es um Geschlossenheit, sagt der 73-Jährige, der die Region 34 Jahre im Landtag vertreten hat. „Thorsten Frei ist ein großes politisches Talent“, sagt Teufel. „Wir sollten nun aber nicht den Fehler machen, die Leistungen des Abgeordneten Kauder im Nachhinein kleinzureden.“

Fraktionssitzung - CDU/CSU © dpa Vergrößern Der Bruder Volker Kauder ist Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Frei möchte bis zur Wahl im Herbst 2013 Oberbürgermeister bleiben, den Posten als Landes-Vize seiner Partei will er auch als Abgeordneter behalten. Mit Freis Abgang nach Berlin geht der Südwest-CDU, die Wahlniederlagen verschmerzen musste und nur wenig Spitzenpersonal aufweisen kann, eine Führungsreserve verloren. Die Landtagswahl 2015 sei für ihn mit Blick auf die eigene Karriere kein Thema, sagt Frei. Kauder spielt in den Planungen der Partei keine Rolle mehr. Die CDU sucht nun einen neuen Kreisvorsitzenden - mit einer erneuten Kandidatur Kauders wird nicht gerechnet.

Quelle: dpa

 

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