Air France lässt Alitalia zappeln
chs./tp. PARIS/ROM, 24. September. Italien hat der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Air France-KLM die Übernahme von Alitalia angeboten, doch die ...
chs./tp. PARIS/ROM, 24. September. Italien hat der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Air France-KLM die Übernahme von Alitalia angeboten, doch die Franzosen halten die Italiener erst einmal hin. Am Montagabend verschob der Verwaltungsrat von Air France-KLM eine Entscheidung über die Beteiligung an einer Rettungsaktion. Man wolle erst die nächste Sitzung des Alitalia-Verwaltungsrates am kommenden Donnerstag abwarten, teilte der Air France-KLM-Verwaltungsrat mit. Das Gremium will spätestens bis Jahresende entscheiden, ob es den Anteil von 25 Prozent an Alitalia im Zuge einer möglicherweise anstehenden Kapitalerhöhung halten, erhöhen oder verwässern will. Alle Optionen lägen auf dem Tisch, heißt es in Unternehmenskreisen in Paris. Für eine Erhöhung der Anteile auf 50 Prozent sprächen die voraussichtlich geringen Kosten für eine derartige Kontrollmehrheit. In der italienischen und französischen Presse wird berichtet, dass Air France-KLM unter Umständen nur rund 150 Millionen Euro dafür aufwenden müsste. Zusätzlich erwarten die Franzosen aber einen Beitrag der Banken von 150 bis 200 Millionen Euro, um den Weiterbetrieb der italienischen Fluggesellschaft zu sichern. Italien solle zudem Altschulden von 1 Milliarde Euro übernehmen, heißt es. Der Vorstandsvorsitzende von Air France-KLM, Alexandre de Juniac, hatte im Juli versprochen, dass er kein weiteres Geld bereitstellen werde, ohne dass die italienische Fluggesellschaft zu harten Einschnitten bereit ist. Die Franzosen haben selbst genügend Hausaufgaben: Im ersten Halbjahr machte Air France-KLM fast 800 Millionen Euro Verlust, und es muss weiter Personal abgebaut werden. Dagegen hat ein Teil der Gewerkschaften einen neuen Streik für November angekündigt. Zudem soll KLM von der Idee einer Kapitalaufstockung nicht begeistert sein. Der Börsenkurs von Air France-KLM hat gelitten, seit erstmals über eine Übernahme von Alitalia spekuliert wurde. Im Jahr 2008 hatte Air France-KLM noch etwa 3 Milliarden Euro für die damalige italienische Staatsfluglinie geboten, die durch Klientelwirtschaft der Politik, Privilegien für die Mitarbeiter und Maximalforderungen der bis zu zehn Gewerkschaften in den Ruin getrieben worden war. Damals versprach Silvio Berlusconi im italienischen Wahlkampf, die „Fluglinie mit der Staatsflagge“ unter italienischer Kontrolle zu halten. Als Präsident bot er später üppige Übergangszahlungen für ausscheidendes Personal und überließ Alitalia einem Konsortium, an dem neben Air France-KLM auch 21 „patriotische Unternehmer aus Italien“ beteiligt waren.Doch Alitalia entwickelte sich nicht wie vorhergesehen. Die Konkurrenz der Billigfluglinien erschwerte das Europa-Geschäft, die schnellen Zugverbindungen zwischen Mailand und Rom brachten Alitalia um ihre bis dahin einträglichste Route. Bis 2012 fielen Verluste von 840 Millionen Euro an, im ersten Quartal 2013 noch einmal 157 Millionen Euro. Dabei waren Ende 2012 die Eigenmittel schon auf 201 Millionen Euro zusammengeschmolzen.Dass sich Air France-KLM in den Übernahmeverhandlungen für Alitalia Zeit lässt, deutet darauf hin, dass nicht mit weiteren Interessenten gerechnet wird. In Italien wurde während der vergangenen Monate immer wieder versucht, andere Fluglinien wie die russische Aeroflot oder Qatar Airlines und Etihad vom Persischen Golf als angebliche Kaufinteressenten ins Gespräch zu bringen. Doch dabei hatten offenbar weder die italienische Regierung noch der neue Alitalia-Geschäftsführer Gabriele Del Torchio viel Erfolg.





