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F.A.Z. Woche : Das Marx-Business

Auf Probe: ein Modell des künftigen Denkmals in Trier. Bild: dpa

Vor 150 Jahren analysierte ein deutscher Immigrant in London den Kapitalismus. Heute ist Karl Marx selbst eine Ware. Hinter seinem Namen steht ein millionenschweres Geschäft. Unsere Reporter haben es sich angesehen.

          7 Min.

          Der Kapitalismus ist gnadenlos. Ohne Rücksicht auf Freund oder Feind frisst er sich bis in die letzten Poren der Gesellschaft; alles und jeden unterwirft er sich. So in etwa hat Karl Marx die Dynamik der modernen Wirtschaftswelt beschrieben. Der Mann hatte recht - abgesehen von einem kleinen Schönheitsfehler. Während Marx als finale Wendung einen Siegeszug des Proletariats prophezeite, hat die Weltgeschichte einen ganz anderen Plan verfolgt und dem Kapitalismus den ultimativen Sieg beschert.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer dafür einen letzten Beweis braucht, der muss nach Trier reisen. In der Fußgängerzone zwischen Eiscafés und Schuhläden steht dort das Haus, in dem der Philosoph seine Kindheit und Jugend verbrachte. Eine Steintafel an der Fassade erinnert an den früheren Bewohner. Innen hat sich ein "Euroshop" breitgemacht: Sonnenbrillen, Haarklammern, Fahrradpumpen; alles kostet hier einen Euro. Der Warenfetisch in Marx' Elternhaus ist eine bösartige Pointe der Geschichte. Denn der berühmteste Trierer hat 1867 in seinem Hauptwerk "Das Kapital" vor Mini-Löhnen, fragwürdigen Arbeitsbedingungen und der Globalisierung gewarnt. Im Jahr 2017 ist er selbst längst ein Produkt, mit dem Geld verdient wird.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

          Für den Schreibtisch oder das hauseigene Museum: Marx-Büsten im Souvenirshop.
          Für den Schreibtisch oder das hauseigene Museum: Marx-Büsten im Souvenirshop. : Bild: Marcus Kaufhold

          Neues Interesse an Krisenpropheten

          Der Mann mit dem Rauschebart, der zeit seines Lebens die Reichen kritisierte und mit seiner vielköpfigen Familie in teilweise bitterer Armut lebte, erlebt kurz vor seinem 200. Geburtstag ein Revival. Er wird wieder gelesen, sein Werk dient Hunderttausenden Menschen in aller Welt als geistiger Kompass durch bewegte Zeiten; seine Name garantiert Touristen und Besucher. "Es ist schon interessant, zu sehen, wie der große Analytiker von Ware, Wert und Preismechanismen jetzt selbst zu einer Ware wird", sagt Marien van der Heijden, Chef des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte in Amsterdam. Dort liegen tief in den Archiven die meisten Handschriften und alle überkommenen Manuskripte von Marx.

          Die letzte große Finanzkrise hat das Interesse an dem Krisenpropheten neu geweckt; das anstehende Jubiläum lässt das Marx-Business aufblühen: in Trier, in Berlin, in China - und ein wenig auch in London: In der britischen Hauptstadt hat Marx mehr als die Hälfte seines Lebens verbracht. Auf dem Highgate Cemetery im Nordwesten Londons, den Besucher für vier Pfund betreten dürfen, liegt er begraben. Wer sich an einem Frühlingssonntag in der Metropole auf Spurensuche begibt, der stößt auf ein Häuflein Interessierter am Piccadilly Circus - und auf Heiko Khoo, einen überzeugten Marxisten.

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