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Musikindustrie : Zukunftsmusik aus Schweden

Schweden war schon immer ein Pop-Land - Roxette (Foto) kommt ebenso aus dem Land wie Abba. Bild: dpa

Ausgerechnet das Mutterland der Piraten-Bewegung wird zum Vorbild für einen Neuanfang in der krisengeschüttelten Musikindustrie: Dort mischt das neue Online-Musikportal Spotify den Markt auf.

          Der schwedische Staat hat kürzlich eine neue Religionsgemeinschaft anerkannt: Die „Kopisten“ erheben das freie Kopieren und Verbreiten urheberrechtlich geschützter Inhalte zum sakralen Ritus. „Wir glauben daran, dass Kommunikation heilig ist“, verkündet die Website der Gruppe. „Überwachung ist Sünde“, heißt es weiter. Als religiöse Symbole der Kopisten gelten die Tastenkombinationen „Ctrl C“ und „Ctrl V“ zum Kopieren und Einfügen von Inhalten am Computerbildschirm. Was wie ein blasphemischer Scherz klingt, ist ernst gemeint. Die Kopisten hoffen, dass ihnen der Status als religiöse Gruppe einen besseren Schutz vor Strafverfolgung bietet.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Nicht nur wegen der schrillen Randnotiz ist das kleine Schweden derzeit eines der spannendsten Länder in der internationalen Debatte um den Schutz von Urheberrechten. Die ist in den vergangenen Monaten so hitzig geführt worden wie noch nie. Die Piratenpartei, die für das freie Kopieren von Musik, Filmen, Büchern und anderen Inhalten streitet, sitzt mittlerweile in zwei deutschen Landesparlamenten. Bei den Bundestagswahlen nächstes Jahr können die Piraten auf den Einzug ins Berliner Parlament hoffen.

          Verkaufte Downloads 2011 Bilderstrecke

          Geplante neue Gesetze zum Urheberrechtsschutz wie das internationale Handelsabkommen Acta oder der Stop Online Piracy Act (Sopa) in den Vereinigten Staaten führten zu Proteststürmen und trieben Tausende von Demonstranten auf die Straße. Auf der Gegenseite stehen nicht nur große und kleine Medienunternehmen. Auch immer mehr Kunstschaffende fürchten um ihre Existenz. „Das einzig Wahre am Rock ’n’ Roll ist, dass wir jede Mark selbst verdienen müssen“, wetterte der Musiker und Bestseller-Autor Sven Regener in einem Interview.

          Was also tun? An dieser Stelle kommt Schweden ins Spiel: Ausgerechnet das Land, in dem vor sechs Jahren die internationale Piratenpartei-Bewegung ihren Anfang nahm, ist heute das ermutigendste Beispiel in Europa dafür, wie die wirtschaftliche Entwertung urheberrechtlich geschützter Inhalte gestoppt werden kann. Das gilt zumindest für die Musikbranche, die weltweit bislang die größten Einbußen durch das Raubkopieren erlitten hat.

          In Schweden steigen die Musik-Umsätze schon wieder

          Ähnlich wie in anderen Ländern hat sich auch in der Heimat von ABBA, Roxette und den Cardigans der Tonträgermarkt zwischen 2001 und 2008 halbiert. Doch inzwischen macht sich bei den Plattenfirmen neuer Optimismus breit: 2011 lagen die Erlöse wieder um rund 7 Prozent über dem Tiefpunkt von vor drei Jahren. Kein anderer europäischer Musikmarkt hat sich so günstig entwickelt.

          Hat Schwedens Musikindustrie die Überlebensformel im Kampf gegen die Raubkopierer gefunden? „In gewisser Weise ist das so“, sagt Ludvig Werner. Der Geschäftsführer des Verbands der schwedischen Plattenfirmen formuliert vorsichtig. Noch ist das Pflänzchen des Aufschwungs jung. Die bisherigen Erfolge seien auf eine Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche zurückzuführen, glaubt Werner: Der Diebstahl im Internet wird juristisch konsequenter verfolgt als früher, und zugleich versucht die Musikbranche, die Musikfans mit legalen Alternativen zurück an die Ladenkasse zu locken.

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